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Wenn ein Mathematiker zum Scrabbler wird.

Wie ein Mathematiker zum Scrabbler wird – Stefan Merx

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Auf meinen Streifzügen durch die Scrabble-Szene ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Spieler aus den verschiedensten Bereichen kommen, die auf den ersten Blick nichts mit Sprache zu tun haben. Was bewegt sie dazu, Scrabble zu spielen? Das habe ich mich auch bei Stefan Merx gefragt. Er ist Mathematiker und spielt in freien Minuten gerne Online-Scrabble. Er ist auch ein wichtiger Akteur bei vielen deutschen Scrabble-Turnieren! Was er da genau tut, erfährst du in meinem Interview.

Zahlen-Mensch, Online-Scrabbler und der Mann, der Scrabble-Turniere ins Netz bringt

Scrabbler Stefan Merx bei einem Turnier in der Schweiz
Scrabbler Stefan Merx bei einem Turnier in der Schweiz

Stefan, wie bist du dazu gekommen, Scrabble zu spielen?

Im Jahr 2000 habe ich an einem mathematischen Institut der RWTH Aachen gearbeitet. Dort wurde das Kreuzworträtsel aus der ZEIT („Um die Ecke gedacht“) jede Woche in die Postfächer der Mitarbeiter verteilt. Das gehörte einfach dazu, denn mein Chef war ein Rätsel- und Knobelfreund. Als dann im Sommer 2000 der „Scrabblesommer“ in der ZEIT Premiere feierte, wurden diese Aufgaben gleich mit verteilt. Wir haben gemeinsam in den Kaffeepausen daran „gearbeitet“. Es entstand ein gewisses Scrabblefieber und wir trafen uns ab und zu nach der Arbeit in der Institutsbibliothek, um eine Runde zu spielen.

Wie ging es von da an mit deinem Scrabble-Fieber weiter?

Zum ZEIT-Scrabble-Sommer gab es ein Forum, in dem zunächst Tipps ausgetauscht und Andeutungen versteckt wurden. Hier wurden auch bald erste Online-Scrabble-Partien gespielt. In der ZEIT selbst entwickelte sich eine wöchentliche Kolumne, die ich weiter verfolgt habe. Einige Jahre später wurde dort ein Turnier in Düsseldorf angekündigt. Weil das quasi vor meiner Haustür lag, habe ich entschieden, das mal auszuprobieren. Ich war gleich begeistert von der lockeren, aber -was das Spiel betraf- ernsthaften Atmosphäre. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen.

„Die Denkweise beim Scrabble hat durchaus Ähnlichkeiten mit dem Lösen mathematischer Probleme.“

Was genau fasziniert dich am Scrabble Spiel?

Mir gefällt die gute Mischung aus Glück und Können. Man braucht strategisches, mathematisches Denken, wie auch das nicht in mathematische Formeln zu fassende Thema „Sprache“. Der Glücksfaktor sorgt dafür, dass man auch gegen deutlich stärkere Spieler ein Chance hat und gegen jeden aufpassen muss.

Ich finde es besonders spannend, dass du als Mathematiker so für ein Wortspiel schwärmst. Kannst du mir genauer erklären, wo die Mathematik im Scrabble steckt?

Man muss schnell überschlagen können, wie viele Punkte Züge bringen würden. Man sollte ein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten haben, wenn es zum Beispiel darum geht, ob der Mitspieler eine „offene“ Stelle nutzen könnte. Dazu kommt, dass Sprache ja durchaus auch logische Elemente hat. Doch anders als in der Mathematik, gibt es auch nicht durch feste Regeln greifbare Ausnahmen. Vielleicht ist es genau dieser Gegensatz, der für mich die zusätzliche Spannung hineinbringt. Außerdem hat die Denkweise beim Scrabble durchaus Ähnlichkeiten mit dem Lösen mathematischer Probleme. Man kann nicht einfach nach „Schema F“ verfahren, sondern muss sich seine Buchstaben unter verschiedenen Blickwinkeln ansehen, um vielleicht doch noch etwas Überraschendes zu sehen. Hier muss man schonmal den eingefahrenen Denkweg verlassen und ein Problem von verschiedenen Seiten beleuchten. Beim Scrabble und in der Mathematik braucht man einen kreativen Kopf.

„Beim Online-Scrabble ist täglich immer mal ein Zug zwischendurch drin. Meine laufenden Partien sind meist im zweistelligen Bereich.“

Du hast vorhin schon erwähnt, dass du Online-Scrabble spielst. Wie sieht denn dein Alltag als Scrabbler genau aus? Spielst du mehr im Netz oder im realen Leben? Und wo findet man dich beim Online-Scrabble?

Beim Online-Scrabble ist täglich immer mal ein Zug zwischendurch drin. Meine laufenden Partien bei Pixie oder der Scrabble-App sind meist im zweistelligen Bereich. Die „realistischen“ Spiele sind über das Programm Scrabble3D möglich. Hier spielt man in der Regel live, mit laufender Uhr, wie bei Turnieren. Das Offline-Spielen (abseits von Turnieren) gelingt etwa einmal im Monat bei einem Scrabbletreff, im rheinländischen Bornheim oder in Düsseldorf.

Wie und wo kann ich Online-Scrabble spielen?

Die von Stefan Merx erwähnten Möglichkeiten Online-Scrabble zu spielen, erklärt dir Turnier-Scrabbler Ben Berger in seinem Artikel „Die ersten Schritte eines Scrabble-Spielers: Online für Starter“. Dort wirst du bestimmt die passende Möglichkeit für dich finden, Online-Scrabble zu spielen.

Lass uns weiter über die Scrabble-Turniere sprechen. Warum hast du seit deinem ersten Turnier in Düsseldorf immer wieder Scrabble-Turniere besucht?

Zum einen ist es der Reiz des Spiels. Ich spiele gerne, auch unter ernsthaften Bedingungen, aber ohne, dass es zu verbissen wird. Das ist bei den Scrabble-Turnieren regelmäßig gegeben. Zum anderen trifft man dort immer viele bekannte Gesichter. Außerdem hat jedes Turnier seinen ganz eigenen Charakter. Das mag überraschen, ist aber wirklich so. Die Stadt, der Spielort, die Art und Weise, wie die Organisatoren ein Turnier leiten – all diese Punkte machen jedes Turnier einzigartig.

Willst du auch bei einem Scrabble-Turnier mitmachen?

Hier findest du eine chronologische Übersicht der deutschen Scrabble-Turniere.

Du spielst bei vielen Turnieren in Deutschland eine nicht gerade unwichtige Rolle. Du bist dort passenderweise für die Technik und die Zahlen zuständig. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe erst beim Düsseldorfer Turnier geholfen und bin so in den Kreis der „Veranstalter“ gerutscht. Bei allen Turnieren, an denen ich selbst teilnehme und bei denen es ein Endspiel gibt, bemühe ich mich z.B. um eine Live-Übertragung dieses Spiels ins Internet. Im Anschluss an die Turniere berechne ich auch die Auswirkungen auf unsere Elo-Rangliste. Daraus ist auch die im Scrabble-Blog abrufbare „Spieler-Historie“ entstanden.

Für jemanden, der die Turniere nicht kennt: Wie viel technische Vorbereitung steckt für dich dahinter? Was braucht man, außer einem Raum und Spielbrettern?

Bei unseren üblichen Wochenendturnieren benötigt man einmal die Turniersoftware, die die Paarungen der einzelnen Runden zusammenstellt und nach Erfassung der Ergebnisse auch direkt die Tabelle erstellt. Dazu sollten „Computerschiedsrichter“ vor Ort sein, an denen die Spieler selbst überprüfen können, ob die Wörter gültig sind. Scrabbleuhren müssen auch da sein, diese werden aber zumeist von den Spielern mitgebracht.

Ich prüfe vorab: Sind genug Computer vor Ort? Ist überall die passende Software aufgespielt? Sind die Einstellungen im Turnierprogramm richtig vorgenommen? Zusätzlich kümmere ich darum, dass im Scrabble-Blog alles für die Ergebnismeldungen vorbereitet ist. Bei den Turnieren, bei denen ich nicht selbst dabei bin, statte ich die Organisatoren oder Helfer mit Dateien aus, die zum Beispiel eine Finalübertragung möglich machen.

Was war bisher dein größter Erfolg bei einem Turnier?

Die 3. Plätze bei der Deutschen Meisterschaft 2013 sowie der Liga der Champions im selben Jahr sind wohl am höchsten einzuschätzen. Einem Turniersieg am nächsten war ich wohl in Syke 2012, wo im letzten Spiel die Entscheidung fiel. Ich verlor gegen Blanca Gröbli-Canonica und fiel auf Platz 3 zurück. Im Westerwald belegte ich 2013 den 2. Platz.

Stefan, viel Spaß noch auf deinen weiteren Turnieren und vielen Dank für dieses Interview!

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