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Jugendsprache Jugendwort des Jahres

Jugendsprache – nichts isso, wie es scheint.

erstellt am von  in Wortwissen

2016 wird zum neunten Mal das Jugendwort des Jahres gewählt. Höchste Zeit für einen halbsachlichen Kommentar zum Thema Jugendsprache!

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Die Jugendsprache – Woher kommt sie?

In der Zeit meiner Adoleszenz, als die Werbung noch „herkömmlich“ sagte, wenn das minder qualitative Geschirrspülmittel von der Konkurrenz gemeint war, waren die gebräuchlichsten Wörter meiner Peer Group „cool“, „menno“, „Alter“, „krass“ und „geil“. Es war damals weder Elternschaft noch Lehrpersonal beizubiegen, dass wir zum Beispiel „Alter“ als Interjektion verwendeten und nicht als Herabsetzung der Altehrwürdigen. Auch gab es erregte Diskussionen darüber, warum der durchaus sexualisierte Begriff „geil“ ein No-Go war – von Anglizismen mal ganz zu schweigen. Meine Deutschlehrerin der 5. Klasse war ganz heiß darauf, uns zu erläutern, warum ein englischer Begriff mit der deutschen Bedeutung „kühl“ auf nichts anzuwenden war, was kein Küchengerät betraf. Es waren dies die 80er Jahre (’member the 80s?) und es sollte noch bis 1991 dauern, bevor ich zum ersten Mal dem (damaligen) Jugendwort „krass“ begegnete.

Hintergrund: Cover Buch Jugendsprache via Verlag Langenscheidt GmbH & Co. KG

Jugendsprache – Kess Käs‘ Hä?

Was aber ist nun Jugendsprache? Der Definition nach ist Jugendsprache nichts weiter als die Umgangssprache der Jugend. Die Gesamtheit der Jungen Leute unterhält sich demnach in ihrer eigenen Lebensalter-Sondersprache. Welches Lebensalter ist jedoch genau gemeint? Junge Leute sind älter als Schulkinder und jünger als… tja. Da wird es schon kompliziert. An dieser Stelle sollte vielleicht bemerkt werden, dass Worte wie „cool“, „geil“ und „krass“ heute auch bei älteren Generationen in ihrer Lebensalter-Sondersprache Anwendung finden.

Jugend Borschtsch – Wege aus dem Spracheintopf.

Gehen wir der Übersichtlichkeit halber einmal davon aus, dass es zwei Gruppen gibt, auf die der Begriff „Jugend“ zutrifft: Kinder und Jugendliche/junge Erwachsene.

Schülersprache – von unten herauf

Es folgen nun einige Beispiele für die Schülersprache, als wir da hätten „Penne“ für die Schule selbst, „Streber(leiche)“ für jemanden, der freiwillig gut dort ist, dann natürlich die „Petze“ für Verräter an Ihresgleichen sowie der „Ratzefummel“ für den Radiergummi, dessen Rückseite übrigens hervorragend zum „Spicken“ geeignet ist. (Für die Beschriftung empfiehlt sich der Tintenkiller.) Es gilt zudem als charakteristisch für die Schülersprache, Unterrichtsfächer namentlich auf ihren tatsächlichen Gehalt runterzukürzen, wie etwa „Bio“, „Reli“ oder „Mathe“, letzteres vor allem so lange, bis der Rechenunterricht von echter Mathematik abgelöst wird.

Hintergrund: Cover Buch Jugendsprache via Verlag Langenscheidt GmbH & Co. KG

Jugendsprache – Abgrenzung und Übergriff

Wechseln wir aus der Welt des Wachstumsschmerzes in die des Wachstumsschubs – Pubertät, Teenageralter, sowie die bis ins mittlere „Alter“ übertragbare Jugendlichkeit. Es bildet sich beim Heranwachsenden nun folgendes aus, nämlich: der Wunsch nach Anerkennung durch Abgrenzung! Und zwar in zweierlei Richtung, denn Jugendliche möchten einerseits als Nichtmehr-Kinder anerkannt werden, andererseits aber wie Erwachsene behandelt werden – ironischerweise von den ollen langweiligen spießigen Erwachsenen selbst, von denen sie sich ebenfalls abzugrenzen versuchen. Hierzu bedienen sich die jungen Menschen ihres eigenen Jargons, welches in weiten Teilen das ausmacht, was wir als Jugendsprache kennen.

Hintergrund: Cover Buch Jugendsprache via Verlag Langenscheidt GmbH & Co. KG

Zeitlose Beispiele für die Jugendsprache sind etwa immer noch „Bock“ für Lust, „(voll)panne“ für blöd oder „zocken“ für spielen. Übergriffig wird die Jugendsprache zum beispiel mit anglophonen Begriffen wie „tight“ oder „phat“, welche sich in dieser Form auch in der Umgangssprache von Musikern wiederfinden. „Geil“ reicht nun übrigens angesichts stattfindender Hormonhaushaltszusammenführung nicht mehr aus, es muss schon „geiler Scheiss“ sein. Dass solch epische Erweiterungen auch mal „eskalieren“ können, zeigt die folgende Auswahl jugendsprachlicher Begriffe:

  • Schwitzrückenseminar – Saunagang
  • Beamtenwindhund – Schildkröte
  • abbitchen – abschminken
  • Tittenstrick – Büstenhalter
  • Penisbude – Präservativ
  • reinstressen – Hektik verbreiten
  • Problemiker – ein komplizierter Mensch
  • Tafelglotzer – Streber
  • Tastenhengst – Computerfreak
  • Pommespanzer – abwertend für übergewichtigen Menschen

Vollpfeiler der Gesellschaft

Ein Begriff wie „Pfosten“ für jemanden mit mehr als nur 1 Brett vorm Holzkopf ist hingegen, mittlerweile, bei Internetnutzern jeder Altersgruppe zu finden – auch bei solchen ohne Fußballhintergrund. Ebenfalls im gesamten Volksmundkörper zu finden: „Vorglühen“ als Erkennungsruf der Bewegung Mehr Glögg Als Verstand e. V.

Jugendsprache Jugendwort des Jahres
Julian (17) über sein ambivalentes Verhältnis zur Verwendung des D-Wortes.

Jugendwort? Das isso was von 2008-

Seit dem Jahr 2008 wird per Internetvoting das Jugendwort des Jahres gewählt. 2014 waren es sogar gleich drei. Im Jahr 2015 wurde so der SMOMBIE geboren. 2016 stand für einen kurzen Moment der Begriff „darthvadern“ für das Uber-Vatering zur Auswahl. Wir waren vorbereitet:

darthvadern_jugendwort_des_jahres2016

Die in diesem Artikel verwendeten Zitate entstammen folgendem Interview der HAZ aus dem Jahre 2010:

„Jugendwort des Jahres: Spricht die Jugend ihre eigene Sprache?“

Was ist für Euch typisch Jugendsprache? Schreibt uns einen Kommentar!

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