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Deutsche Scrabble Meisterschaft 2017 Düsseldorf

Runde um Runde – Die Deutsche Scrabble Meisterschaft in Düsseldorf

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Neulich fand in Düsseldorf die achte Deutsche Scrabble Meisterschaft (DM) statt. Nach einigen kurzfristigen Absagen gingen 67 Spielerinnen und Spieler an den Start. Manche mit dem Verlangen, ihr Deutsch zu verbessern, andere mit Ambitionen auf den Titel. Ich wollte aufs Treppchen.

Deutsche Scrabble Meisterschaft – Favorit in der Vorrunde

Es ging ganz gut los. In der sogenannten Vorrunde wird das Feld in 4er-Gruppen aufgeteilt, die sich aus je einem Spieler aus dem 1., 2., 3. und 4. Quartil gemäß ELO-Rangliste zusammensetzen und in der jeder ein Mal gegen jeden spielt. Diese Phase des Turniers bietet nicht so versierten Spielern die Möglichkeit, sich mit den vermeintlich Großen zu messen. Späterhin wird eine solche Begegnung unwahrscheinlich, da das bei der DM genutzte Programm Gleichstarke aufeinander treffen lässt.
Da ich mit ELO-Platz 6 ins Turnier startete, war ich – zumindest auf dem Papier – in den Vorrundenpartien Favorit. Tatsächlich konnte ich alle drei Spiele gewinnen, wobei mir ein glückliches Händchen half. Denn gegen jeden meiner Gegner hatte ich irgendwann schon mal bei einer offiziellen Veranstaltung verloren.

Ein Allerwelt-Bingo verhalf zum Gleichziehen

Zwei Runden lang hielt der Lauf noch an, mit fünf Siegen aus fünf Partien rangierte ich ziemlich weit oben in der Tabelle. Dann traf ich auf den späteren Sieger*, der mich nahezu versohlte.
Anschließend kam eine meiner Lieblingspartien bei dieser DM. Nach meines Gegenübers zweitem Zug lag ich 120 Punkte hinten, konnte aber unter anderem dank eines 64 Punkte bringenden EY und eines Allerwelt-Bingos gleichziehen. Das Spiel kippte vollends zu meinen Gunsten, als mein Kontrahent EINTIEFT legte und nach Anfechtung zurücknehmen musste, woraufhin ich mit einem NÖ für 52 Punkte davonzog.

Späterer Sieger der Deutschen Scrabble Meisterschaft 2017*

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Der spätere Sieger der Deutschen Scrabble Meisterschaft 2017 in Düsseldorf hieß Stefan Merx. Lest mehr über ihn in unserem Interview. Einen Überblick über alle deutschsprachigen Scrabble-Turniere erhaltet ihr auf unserer gleichnamigen Seite.

Deutsche Scrabble Meisterschaft in Duesseldorf 2017 Finalrunde zwischen Stefan Merx (li.) und Theo Kardel (re.).

Aldi-Bingo verhalf zu ein wenig Leben im Spiel

Bei der folgenden Partie hatte meine Gegnerin offensichtlich die Seuche. Nach jeweils 11 Zügen standen auf beiden Seiten keine 200 Punkte, sie hatte sogar schon zweimal getauscht. Dann kam mit meinem Aldi-Bingo KONFETTI ein bisschen Leben in die Bude, das durch den gegnerischen 68-Punkte-Bingo DUSTEREN noch bunter wurde. Mit TEEEIERN brach ich schließlich den Widerstand und fuhr die Partie sicher nach Hause – mit dem latent schlechten Gewissen, dass beide Bingos nur durch den jeweiligen Einsatz eines Blankos möglich waren.

In Runde neun durfte ich viel lernen. Zum einen, dass es Leute gibt, die in Führung liegen und einen Schlussbingo auf dem Bänkchen haben, sich aber vorm Legen dennoch die Zeit nehmen, alle bereits platzierten Buchstaben abzustreichen, was vorher halt nicht erfolgt war. Ich habe mich selten so gelangweilt, aber egal. Zum anderen wurde ich über den korrekten Umgang mit dem Notieren eines Blankos aufgeklärt. Den zu ersetzenden Buchstaben hatte ich bereits auf dem Notationsblatt vermerkt, als ich die Punkte aufschrieb und die Uhr drückte. Die startete mein Gegenüber umgehend selbst, garniert mit dem Hinweis, der substituierte Buchstabe müsse auf der Score-Card eingetragen werden. Meinen fragenden Blick interpretierte mein Kontrahent vollkommen richtig und erläuterte, dass ich auf der Score-Card ja noch einen anderen Buchstaben einsetzen könne als auf dem Notationsblatt. Auf so viel Schlechtheit muss man erst mal kommen, aber Recht hatte er natürlich.

Scrabble-Gegner spielte wie ein junger Gott

Anschließend wurde ich schon wieder verhauen. Mein Gegenüber wirkte zwar ein wenig nervös, aber er spielte wie ein junger Gott. Kurze Wörter mit hoher Punktzahl, einige Bingos, alle Hochkaräter auf seiner Seite – derlei nennt man dann wohl chancenlos. Mit rund 140 Punkten Differenz fühlte ich mich sogar noch ganz gut bedient.
Noch schlimmer erging es mir in der folgenden Begegnung, da verlor ich mit 180 Punkten Rückstand. Die Umstände waren dabei jenen im Spiel zuvor gleich. Drohte da etwa ein längerer Antilauf, nachdem das Turnier so beglückend angefangen hatte?

Nein. Zur zwölften Partie fehlen mir zwar die Unterlagen, aber es lief akkurat. Meine gewitzte und gewiefte Gegnerin lieferte mir zudem ein Spiel in angenehmer Atmosphäre, das ich recht knapp mit 24 Punkten mehr gewinnen konnte.
Danach hatte ich die Ehre mit einer ehemaligen Champions League-Siegerin. Die Partie entpuppte sich rasch als einseitig: Ich bekam alles, was das Scrabbler-Herz begehrt, und das jeweils zum richtigen Zeitpunkt, sie kam auf keinen grünen Zweig. Q, J und X musste sie quasi verschleudern. Kurz vor Schluss lag ich bereits 200 Punkte vorn, als sie ihren einzigen Wurf mit mehr als 30 Zählern – ANFÄNGT für 103 Punkte – platzieren konnte. Zu spät, ich konnte den Vorsprung halten.

Träume auf Einzug ins Endspiel zerstört

Hernach gab’s wieder einen um die Ohren. Ein späterer Finalist zog frühzeitig davon, molk jeden einigermaßen wertvollen Buchstaben vier- bis sechsfach und zerstörte meine Träume auf einen Einzug ins Endspiel endgültig. Spaßiger – jedenfalls für mich – verlief da das anschließende Stadtduell, auch wenn es nur zwei Höhepunkte gab. Mit YENS für 87 Punkte konnte ich, bereits leicht in Führung liegend, zwar etwas enteilen, der Vorsprung war nach meines Gegners CHLOREN (95 P.) aber fast schon wieder dahin. Hinzu kam der Abzug von 10 Punkten für mein überflüssiges Anfechten. Weiß der Himmel, was mich da geritten hat. Danach gelang jedoch beiden Seiten nichts Erwähnenswertes mehr. Wir waren sogar gleichauf, als ich den letzten Zug machte und somit hauchdünn gewann.

Nun lautete meine Bilanz 11:5, ich lag auf dem 9. Platz – punktgleich mit meiner nächsten Gegnerin, die jedoch eine mehr als dreimal so hohe Differenzpunktzahl aufweisen konnte. Ihrem Eröffnungsbingo – HUDELEI – ließ sie später noch zwei weitere (FEIERTE, WIENERN) folgen, allerdings musste sie auch dreimal tauschen. Ich spielte meinen Stiefel runter und übernahm nach LEHENDE und EINRENNE die Führung. Bei ihrem letzten Zug überlegte sie eine kleine Ewigkeit lang. Zu recht, wie sich herausstellte, denn ich hatte falsch abgestrichen und die Partie deswegen schon als gewonnen abgehakt. Plötzlich zauberte sie jedoch noch ein M aus dem Ärmel, das ich gar nicht mehr auf der Rechnung hatte, und zog dank der 45 Punkte für MYS vorbei. Es stand 417 zu 401 für meine Kontrahentin, auf meinem Bänkchen lagen noch E, I, L und L. Da ich nicht korrekt mitgeschrieben hatte, wusste ich nicht um die Restbuchstaben meiner Gegnerin. Ich hätte nun SILLE legen können mit doppeltem Wortwert, war mir aber nicht sicher, ob es das Wort gibt – und wollte natürlich nichts riskieren. Tatsächlich wäre die Sache mit SILLE in die Hose gegangen, das aber nur am Rande. Schließlich fand sich noch ein W für WILLE und die Begegnung endete mit einem Abrechnungssieg: Beim Stand von 417:410 waren die sechs Punkte auf ihrem Bänkchen entscheidend.

Treppchen Nummer drei bei der DM in Reichweite

Mit meinem nächsten Spielpartner hatte ich Jahre zuvor mal gute Erfahrungen gemacht. Da war der Youngster mit stolz geschwellter Brust an den Tisch gekommen, zumal er bis zu jenem Zeitpunkt ein prima Turnier hingelegt hatte. Die Partie endete damals in einem Desaster für ihn mit einem Rückstand von deutlich über 200 Punkten – und Frust. Auch bei der DM lief es für mich erneut wie auf Schienen. Zwei Bingos und einige Hochkaräter verschafften mir nach vier Zügen 160 Punkte Vorsprung, der konstant blieb, bis mein Gegner einen 77-Punkte-Wurf (EINKNOT) landen konnte. Während ich anschließend insgesamt 112 Zähler für MY und SALM einstreichen konnte, gab es auf der anderen Seite lediglich 38 Punkte für UMHANG und einen Tausch. Wie nicht anders zu erwarten, wenn es hier läuft und dort nicht, beendete ich die einseitige Partie mit einem weiteren Bingo (nichts aus der Trickkiste, ein schlichtes TAGENDER) und durfte mir fast 280 Differenzpunkte gutschreiben. Mein Gegenüber nahm es dieses Mal übrigens mit Fassung. Nach eigener Aussage hatte er schon nach vier Zügen gewusst, dass es nichts würde mit einer erfolgreichen Revanche.

Mit nunmehr 13:5 hatte ich mich auf den 5. Platz vorgearbeitet, punktgleich mit der Drittplatzierten. Das Treppchen war also durchaus noch in Reichweite – was sich jedoch in der vorletzten Runde änderte. Meine älteste Scrabblefreundin machte nicht viel Federlesen und zog ihr gekonntes Ding knallhart durch. Sie spielte solide, ich haderte mit dem Schicksal in Form von unglücklichen Buchstabenkombinationen und verlor mit rund 60 Punkten Rückstand. Das war im ersten Moment zwar frustrierend, unterm Strich aber ein gutes Zeichen. Schließlich möchte auch ich nicht das Opfer von Seil- oder Freundschaften sein.

Die letzte Partie ging dann auch noch daneben. Ich war, muss ich zugeben, etwas lustlos – was keinesfalls aber bedeuten soll, dass ich mit mehr Engagement besser hätte abschneiden können. Natürlich machte ich aus dem mir zur Verfügung stehenden Material das Beste, aber es reichte eben nicht. So ging die Landesmeisterschaft, über die das finale Spiel entschied, an meine Kontrahentin – versehen mit meinen herzlichsten Glückwünschen.

Am Ende sprang der 8. Platz heraus, das Ziel habe ich also verfehlt. Aber ich denke, ich bin da gelandet, wo ich hingehöre, zumal sich Glück und Pech, über das ganze Turnier gesehen und mal neutral betrachtet, die Waage hielten.

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