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Wortwitze bei Asterix

erstellt am von  in Wortwissen

Wir schreiben das Jahr 1959. In der französischen Jugendzeitschrift Pilote wird ein Comic veröffentlicht, den die Welt noch nie zuvor gesehen hatte und auch so nie wieder sah. Astérix le Gaulois, also Asterix der Gallier, ging als erste Geschichte des Autors René Goscinny und des Zeichners Albert Uderzo in die Geschichte ein – und so schlecht ich Wortwitze schreiben kann, so gut konnten es die Beiden.

Bereits der erste Comic wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und fand seine Wege auf Audiocassetten, CDs, Minibücher und Trickfilme. Bis heute wurden 37 Comic-Alben veröffentlicht und ich treffe kaum auf Menschen, die die beiden Gallier Asterix und Obelix nicht kennen.

Die sprechenden Namen bei Asterix

Bei Asterix geht es um verschiedene Nationalitäten und Menschen und um Reisen in zahlreiche Länder, aber in jedem von Asterix‘ Abenteuern treffen die gleichen Hauptcharaktere aufeinander. Bereits innerhalb der Namensgebung der Protagonisten lassen sich die Genialität und der Wortwitz der beiden französischen Comicväter erahnen.

Asterix, der kluge Krieger

Asterix ist ein kluger, kleiner Krieger, der trotz einiger Missgeschicke so vertrauensvoll scheint, dass ihm selbst die gefährlichsten Aufträge anvertraut werden. Er ist der Star in den Geschichten und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Asterix leitet sich nämlich von ASTERISK ab und das ist wiederum das typographische Zeichen, welches auf eine Fußnote hinweist: das Sternchen. Es ist also wichtig. Und klein. Daher passt der Name so gut wie Asterix‘ Faust auf das Auge seiner Feinde*.

Obelix, der dicke Freund

Obelix ist der dickste Freund von Asterix und so unternehmungslustig, dass er für ein neues Abenteuer alles stehen und liegen lassen würde. Der Name Obelix kommt von OBELISK. So werden hohe Steinsäulen bezeichnet. Auch dieser Zusammenhang zwischen dem Namen und der Person ist wieder sehr treffend, denn Obelix ist der Lieferant für Hinkelsteine.

Ideenwettbewerb für einen Hundenamen

Seit dem sechsten Band ist der Hund Idefix der treue Begleiter von Asterix und Obelix. Hinter dem Namen Idefix steckt eine witzige Geschichte. Übersetzt ist der Name des Tiers nämlich „fixe Idee“ und er erhielt seinen Namen durch einen Ideenwettbewerb, der unter den Lesern der Zeitschrift Pilote ausgeschrieben wurde.

Wunder gibt es auch

Miraculix ist der Druide des Dorfes und braut den Zaubertrank, in den Obelix als Kind gefallen ist und der Asterix seine übermenschlichen Kräfte verleiht. Sein Name ist abgeleitet vom lateinischen Wort für WUNDER und gibt damit gleichzeitig seine Funktion an.

Im Französischen noch mehr Wortwitz

So verhält es sich auch mit Majestix, dem Häuptling des Stammes. Zu seinem Namen muss ich wahrscheinlich gar nicht erklären. Bei ihm steckt im Französischen Namen allerdings noch mehr Witz. Dort heißt er nämlich Abraracourcix, welches sich von „à bras raccourcis“ ableitet und wörtlich „mit verkürzten Armen“ im Sinne von „mit aller Gewalt“ bedeutet.

Die klangliche Ähnlichkeit von Wörtern ist die Grundlage für nahezu alle Wortwitze innerhalb der Namensgebungen bei Asterix. In der Literaturwissenschaft wird dieses Phänomen Paronomasie genannt.

*Gute Wortwitze kann ich immer noch nicht.

Wortwitze bei Asterix

Offensichtliche und versteckte Wortspiele innerhalb der Handlungen

Vorab sei gesagt: Es wird mir in diesem kleinen Artikel niemals möglich sein, auf alle Feinheiten der genialen Witze innerhalb der Asterix-Comics einzugehen. Deswegen empfehle ich euch, dass ihr euch ein paar Comics als Strand- und Sommerlektüre zulegt und einfach selbst lest.

Ich habe mir für das Schreiben dieses Artikels „Asterix bei den Briten“ als Studienobjekt auserwählt und bin immer noch begeistert, wie viel mehr noch hinter den Worten steckt, wenn man sich intensiv damit beschäftigt.

Sprachspielereien im Satzbau

Der Wow-Effekt beginnt schon mit der Sprache der handelnden Personen. Die Autoren haben sich nämlich etwas ganz Witziges überlegt und imitieren die englische Satzstellung im Französischen. So wird beispielsweise auch die unterschiedliche Stellung der Adjektive karikiert. Das Adjektiv steht im Französischen nach dem Substantiv: z.B. „une patrouille romaine“. Die Briten sagen im Asterix-Comic dazu „une romaine patrouille“. Aber auch die deutsche Übersetzung, auf die ich später im Allgemeinen nochmal näher eingehen werde, glänzt mit Wortwitz und Sprachspielen. So wurde versucht, auch hier so gut wie möglich die englische Satzstellung ins Deutsche zu übertragen. Am witzigsten werden dadurch die Phrasen, die es bei uns nicht gibt, wie zum Beispiel: „Es ist. Ist es nicht?“ von „It is, isn’t it“.

Die Teekultur der Briten

Die Teekultur der Briten wird in diesem Band einerseits schon ganz herrlich durch den Namen von Asterix‘ Vetter Teefax auf die Schippe genommen und andererseits noch viel weiter getrieben durch den Getränkewunsch jenes britischen Gastes: „Eine Tasse von heißem Wasser mit einem Tropfen Milch bitte!“.

Ein Witzchen, welches sich danach im Deutschen sehr versteckt hält, aber das hier an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Antwort von Teefax auf Obelix‘ Frage, ob seine Kleidung teuer war. Dieser antwortet: „Mein Schneider ist reich!“. Neben der sympathischen Verwirrung, dass die Frage sich eigentlich auf den Preis des Hosenstoffes bezog, ist es auch eine Anspielung auf den Englisch-Unterricht an den Schulen in Frankreich. Der erste englische Satz, den die Kinder dort nämlich laut Lehrbuch lernen, ist „My tailor is rich!“.

Und auf diese Art und Weise geht es bis zum Ende der Geschichte weiter. Außerdem trotzen natürlich auch die Zeichnungen vor Genialität und können auch als eine Art Wortwitz gelten, wenn zum Beispiel Asterix sagt „Komisch, die zweistöckigen Wagen…“ und mit dem Finger auf einen roten „Omnibus“ deutet, der von Bullen gezogen wird. In jedem Fall lohnt es sich, sich mit den Asterix-Comics ein bisschen näher auseinanderzusetzen.

Asterix bei den Briten [HD]

Die Kunst der Übersetzung

Wortwitze zu übersetzen ist immer eine Herausforderung. Das betonte schon Anthea Bell, die die Asterix-Comics ins Englische übersetzt hat. Am schwierigsten waren die Namen, sagt sie. Ungefähr 400 Namen musste sie umbenennen und versuchen, die besonderen Bedeutungen beizubehalten. Das hat natürlich nicht immer funktioniert. Vor allem, weil eine wörtliche Übersetzung durch verschiedene kulturelle Kontexte oft nicht möglich war.

Aus dem französischen „Panoramix“ wurde der im Deutschen als „Miraculix“ bekannte Druide im Englischen zu „Getafix“. In den französischen Originalen liegt bei dieser Namensgebung der Fokus auf dem panoramaartigen Überblick, der den Charakter als weise und vorausschauend beschreiben soll. Im Deutschen und auch im Englischen liegt der Fokus auf der Versorgung der Gallier mit dem Zaubertrank. „To get a fix“ steht in der Sprache der Junkies für die Einnahme von Drogen.

Neue sprechende Namen erschaffen

Gudrun Penndorf, die deutsche Übersetzerin, hat auf die Frage, auf welche Übersetzung sie bis heute stolz sei, geantwortet: „auf die Namen“. Sie hat zahlreiche Asterix-Geschichten direkt nach ihrer Veröffentlichung ins Deutsche übersetzt und Namen wie Verleihnix und Grautvornix erschaffen.

In einem Interview mit der ZEIT sagt Penndorf: „Die Namen durfte ich übrigens am Anfang auch gar nicht so eindeutschen. Bei Band zwei bei ‚Kleopatra‘ habe ich damit begonnen, da wurde es wieder zurückgepfiffen, aber bei den Briten, da habe ich gesagt, also jetzt geht’s los, diese Chance können wir nicht verschenken. Ja, was denn? Mac Teefürzweifix, O’Fünfuhrteefix, Schnurstrax, Strammermax. Ich kann mich noch erinnern an „Ladenschluss“, das habe ich zu einer Zeit genommen, wo die Ladenschlussdebatte hoch im Kurs war. […] die Intention der Franzosen war die – mit ganz wenigen Ausnahmen –, jetzt bloß nicht durch die Namen charakterisieren, sondern irgendwas, was eben auf „us“ endet oder was man so hinbiegt, dass es auf „us“ endet. Die Endungen sind ja bezeichnend für die Ethnie, für die Nationalität. Also Sie haben „us“, die Römer, und „ix“, „ax“ die Briten und Gallier. Die Griechen sind Bratensos, Trauerklos. Das schießt einem ein, das ist einfach schön.“

Genau! Da stimme ich ihr zu und wünsche euch nun viel Spaß beim Asterix-Lesen! Am liebsten hätte ich diesen Artikel mit einem Wortwitz beendet. Aber wenn ich das könnte, dann hätte ich auch gleich in einem Asterix-Comic als Kommtaufnix vorkommen können.


Bis jetzt sind 37 Bände veröffentlicht worden. Der letzte Band erschien 2017 „Asterix in Italien“ (Astérix et la Transitalique). Eine Liste der sprechenden Namen findet Ihr auf wikipedia im Hauptartikel über Asterix.
Bildquellen

Titelbild und Bild 1: via wortwolken.com by 1337 UGC GmbH