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QWERTY: Tastatur entscheidet über Wahrnehmung von Wörtern

erstellt am von  in Wortwissen
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Die Unterscheidung von links und rechts fällt vielen Menschen schwer, zum Beispiel beim Autofahren. Dass nun aber unser Gehirn auch zwischen linken und rechten Buchstaben auf der Computertastatur unterscheidet, verblüfft mich. Genau das behaupten seit kurzem zwei Kognitionswissenschaftler aus London und New York: Wörter aus Buchstaben der rechten Tastaturseite werden mit angenehmeren Gefühlen verbunden als jene der linken Hälfte.

Tippen beeinflusst Denken

Kyle Jasmin vom University College London und Daniel Casasanto von der New School for Social Research in New York. Sie fanden heraus, dass der Vorgang des Tippens auf einer Computer- oder Smartphonetastatur möglicherweise unser Denken beeinflusst. Die Forscher nennen diesen Effekt den „QWERTY – Effekt“. Die Bezeichnung QWERTY leitet sich ab von den ersten sechs Buchstaben auf der oberen linken Tastenreihe. Die darauf basierende deutsche Tastaturbelegung wird als QWERTZ-Tastaturbelegung bezeichnet.

Exkurs: QWERTY – Tastatur

Die Anordnung der Buchstaben, so wie wir sie kennen, ist übrigens nicht zufällig. Sie geht zurück auf den US-amerikanische Buchhalter Christopher Latham Sholes. 1868 ordnete er die Buchstaben auf der Schreibmaschinentastatur erstmals nicht alphabetisch an, sondern verteilte die im Englischen am häufigsten vorkommenden Buchstaben E, T, O, A, N und I möglichst gleichmäßig im Halbkreis. Die restlichen Buchstaben des Alphabets verteilte er drumherum. Dabei vermied Sholes häufig auftretende Zweier-Kombinationen wie HE, TH oder ND auf nahe beieinander liegende Typenhebel zu legen, da sich diese beim schnellen Tippen oft verhakten. Somit machte er das Schreiben auf der Schreibmaschine effektiver, da Verhakungen nun vermieden werden konnten. Diese Anordnung von Sholes hat bis heute Bestand.

Rechte Hälfte positiver als linke

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Die Ausgangshypothese der beiden Kognitionswissenschaftler war, dass die Technologien, die wir Menschen zur Spracherzeugung entwickeln, sich irgendwann auf die Sprache selbst und auch auf deren Wirkung niederschlagen. Und mit dem Tippen ist das halt so eine Sache: Manche Wörter enthalten mehr Buchstaben der rechten Tastaturseite, manche mehr der linken. In drei Experimenten untersuchten sie, wie Wörter getippt werden und, ob es einen Zusammenhang gibt.
Dazu untersuchten die beiden Wissenschaftler in ihrer Studie drei relativ verwandte Sprachen: Niederländisch, Spanisch und Englisch. Also eine germanische und eine romanische Sprache sowie eine germanische mit starken romanischen Elementen. Den beschriebenen QWERTY – Effekt stellten sie bei allen dreien fest. Sowohl Wortlänge, Buchstabenhäufigkeit und auch die Links- oder Rechtshändigkeit der Versuchsteilnehmer spielten dabei keine Rolle. Am stärksten war der Effekt bei Wörtern zu erkennen, die auch erst in den letzten Jahren entstanden sind. So sind es vor allem Wortneuschöpfungen wie LOL (laughing out loud) oder „greenwash“ (Schönmalerei von Unternehmen in CSR- oder Nachhaltigkeitsberichten).

Rechts positiver, weil angenehmer zu tippen

Eine genaue Erklärung für den Effekt haben die Forscher nicht, sie stellen aber Vermutungen an: Da es mehr Buchstaben auf der linken Seite der Tastaturmitte gibt, könnten die Tasten als auf der rechten Seite leichter zu tippen sein – daher die positiven Assoziationen. Anders ausgedrückt: Wörter mit mehr rechtsseitigen Buchstaben lösen positivere Gefühle aus, eher linkslastige hingegen negativere. Daher raten die beiden Autoren der Studie: „Auf der Suche nach Namen für neue Produkte, Marken oder Firmen ist man möglicherweise gut beraten, wenn man an diese Tastaturbesonderheiten denkt und den „rechten“ Namen wählt“.

Polizei und Gauner

Folgt man den Ergebnissen der Studie, sollte das Wort „Polizei“ positivere Assotiationen auslösen als das Wort „Gauner“. Ehrlich gesagt konnte ich beim Tippen gerade keinen Unterschied an mir festellen. Wie ist es bei euch? Probiert es mal aus und schreibt uns eure Erfahrungen!

 

Bildquellen

  • Die QWERTY Tastatur heißt im Deutschen QWERTZ Tastatur, da Y und Z vertauscht sind: Gerd Altmann / pixelio.de

3 Kommentare

  1. Hmm, kann ich als Programmierer sehr gut nachvollziehen.

    Es fällt mir deutliche leichter Strukturen und Formeln zu tippen, als Schlüsselworte und Dokumentation. Letztere sind sehr „links-lastig“, während Klammern, Ziffern, usw. flott von der Hand gehen.
    Vielleicht sollte man den Menschen hinter PHP erklären, dass $var böse ist.

    Danke für die Erklärung!

    p.s. wo ich am schreiben bin: habe die starke Vermutung, dass Linkshänder in der Studie diskriminiert werden (u.a. nicht existieren).

  2. Hallo, ich finde die These sehr interessant. Vielleicht tippt man lieber mit rechts, weil die meissten Menschen Rechtshänder sind und die Motorik dort ausgeprägter ist?
    Frage an die Gitarrenspieler, wie empfindet ihr das? Die Gitarrenspieler haben auch links eine gute Motorik, ist es dort evtl. ausgewogener?
    Für mich gibt es keine Sympathien / Antipathien was die linke oder rechte Seite der Tastatur betrifft.

  3. Ich gehöre zu den 10-Finger-Vieltippern und den Hobby-Gitarristen und hätte vor dem Artikel auch nicht gedacht, dass Wörter da einen Unterschied machen. In jedem Fall muss es eine neue Erscheinung sein, weil so lange hat uns die QWERTZ-Tastatur in unserer Evolution ja noch nicht begleitet. Hmn, da fällt mir ein, dass auf der deutschen Tastatur gegenüber der englischen das Z und Y vertauscht sind. Also haben wir zum Z ein positiveres Gefühl als englische Muttersprachler?

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