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Von Raznjici und Thais – ein Interview mit Ben Berger

erstellt am von  in wort-suchen unterwegs
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Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Scrabble-Spieler, wenn nicht sogar der erfolgreichste – Ben Berger. Auf wort-suchen.de ist nun seine Artikelserie Die ersten Schritte eines Scrabble-Spielers erscheinen. Unsere Redakteurin Stefanie Holke nahm dies zum Anlass, mehr über den 28-jährigen Jura-Studenten aus Heidelberg zu erfahren.

Ein Interview über Raznjici, Thais und Leidenschaft

Ben Berger und Scrabble, das ist eine Erfolgsgeschichte. Wie hat es mit dir und den Scrabble-Steinen angefangen?

Am Anfang habe ich in der Küche mit meinem Vater und meiner Großmutter gespielt, ohne Turnierregeln. Da galten nur die Wörter, die auch die Mitspieler kannten und Beugungsformen waren überhaupt nicht dabei. An sich fand ich Scrabble schon immer spannend. Aber so richtig angefangen hat es erst während eines Auslandsemesters in Israel. Dort habe ich mit meinem amerikanisch-jüdischen Mitbewohner jeweils zum Sabbat auf englisch Scrabble gespielt. Durch ihn bin ich dann auch in einen Scrabble-Club gekommen, in dem ich gegen Scrabbler mit unterschiedlichem Niveau spielen und ganz neue Persönlichkeiten kennen lernen konnte.

Was ist es, das du so an Scrabble liebst?

Scrabble ist wirklich so eine Art Insel der Vertrautheit und Quelle der Lebensfreude für mich. Schon während des Studiums war es nicht nur ein guter Ausgleich, sondern auch eine Stärkung des Selbstbewusstseins. Da wusste ich, darin bin ich gut, da fühl ich mich sicher. Der soziale Faktor spielt auch eine große Rolle. Als Scrabble-Spieler ist man immer in einer herzlichen und vertrauten Gemeinschaft zu Hause.

Während deiner nationalen wie internationalen Scrabble-Turniere bist du an drei bis vier Tagen, an jeweils sieben Stunden täglich, über Scrabble-Brettern am schwitzen. Wie schaffst du es, dich das ganze Wochenende fit und konzentriert zu halten? Und wie bereitest du dich vor?

Ich mag es lieber schnell zu spielen, so spare ich etwas Zeit ein. Für ein Spiel werden maximal dreißig Minuten eingeplant, zwischen den Spielen sind in der Regel nur zehn Minuten lang Pause – das ist nicht sehr viel. Wenn ich, durch schnelles spielen, zehn Minuten eher fertig bin, dann kann ich auch länger Pause machen. Dann stehe ich meist draußen bei den Rauchern, obwohl ich kein Raucher bin, um frische Luft zu schnappen. Irgendwann laufen dankbarer Weise im Kopf hauptsächlich Automatismen ab, die das Spielen erleichtern.

Eine explizite Turnier-Vorbereitung gibt es für mich eigentlich nicht. Die läuft eher nebenher und regelmäßig ab. Ich übe zum Beispiel viel mit Zyzzyva, einem Programm, was Buchstaben Wörter vorgibt, aus denen man Anagramme bildet. Davon mache ich am Tag ungefähr 500 Stück, meist in der U-Bahn oder im Zug. Manchmal lerne ich auch neue Wörter, in letzter Zeit sind es beispielsweise fünf-Buchstaben-Wörter. Aber direkt vor Turnieren lerne ich nichts neues mehr, das macht einen nur noch zusätzlich nervös und übt Druck aus.

Mit verschränkten Armen grübelt Ben Berger über dem nächsten Wort.

Wie macht sich für dich der Unterschied zwischen dem englischen und dem deutschen Scrabblen bemerkbar? Hat man als Fremdsprachler überhaupt eine Chance gegen einen englischen Muttersprachler zu gewinnen?

Ich persönlich spiele lieber auf englisch, weil ich auch so angefangen habe, richtig Scrabble zu spielen. Aber auf deutsch spiele ich  eben doch besser. Es fällt mir auch auf, dass mich das häufige englische Scrabblen in deutschen Spielen behindert, weil mir dann englische Wörter in den Kopf kommen. Man braucht für beide Sprachen eben unterschiedliche Denkweisen, das macht es so interessant. Ich möchte es nicht missen, sowohl auf deutsch als auch auf englisch zu scrabblen. Denn dahinter stehen unterschiedliche Menschen und Kulturkreise, die man durchs spielen kennen lernt.

Ob man ein englisches Scrabble-Spiel gewinnt, kommt weniger darauf an ob man Muttersprachler ist oder nicht, sondern viel mehr auf das Training. Ich habe beispielsweise mal gegen einen Thai gespielt, der nur sehr gebrochenes Englisch sprach. Sein erster Satz während des Spiels war „You first!“ (lacht) Und trotzdem war er ein guter Scrabbler! Für die Thais ist Scrabble eher eine Art Memory-Spiel, weil sie die meisten Begriffe auswendig lernen. Das bringt ihnen tatsächlich einen großen Vorteil – das eigene Sprachgefühl steht ihnen nicht im Weg.

In welche Länder würdest du gerne reisen, um Scrabble zu spielen?

Ich war im letzten Jahr erst für einige Wochen in Australien und habe dort ein paar Turniere gespielt. Das war sehr interessant und ich habe viele Menschen kennengelernt. Überhaupt ist es eine ganz andere Art sich kennenzulernen, in der Scrabble-Community. Es ist, als käme man in eine vertraute und herzliche Gemeinschaft.

Nach Pakistan zu reisen wäre sehr interessant. Dort besteht eine sehr gute Jugendarbeit und zwei sehr gute Scrabble-Spieler, der Junioren-Weltmeister als auch Junioren-Vizeweltmeister kommen aus Pakistan. Nach Israel vor allem wegen alter Scrabble-Bekanntschaften. Aber auch die Staaten oder Kanada wären spannend, Scrabble kommt ja schließlich von dort und es gibt eine lange Turniertradition. Allerdings werden dort auch andere Wörterbücher genutzt. Die größten Turniere gibt es aber in Thailand. Da treten hunderte von Spielern gegeneinander an und auch der Geräuschpegel ist ein ganz anderer! Das würde ich gerne mal miterleben.

Gibt es Scrabble-Vorbilder für dich oder Spieler, gegen die du gerne antreten würdest? Was sind deine Lieblingswörter, die du gerne mal in einem Spiel legen würdest?

Evan Cohen aus Israel hat mich sehr stark geprägt, als ich anfing Scrabble zu spielen. Durch ihn bin ich erst so richtig zum Turnier-Scrabblen gekommen. Gegen den amtierenden Weltmeister Nigel Richards zu spielen, wäre natürlich auch sehr interessant! Allerdings verliere ich auch nicht gerne! (lacht) Direkte Vorbilder in dem Sinne habe ich aber nicht. Es gibt Niemanden, gegen den ich nicht spielen würde.

Lieblingswörter gibt es für einen Scrabble-Spieler an sich auch nicht, da die Spielsituationen natürlich immer sehr individuell sind. Aber gut finde ich es, wenn ich Wörter legen kann, die mein Mitspieler noch nicht kennt und dann überrascht ist. Das höchst gepunktete Scrabble-Wort MYXÖDEM ist auch sehr schön, aber noch lieber mag ich das Wort RAZNJICI, so werden Grillspieße auf dem Balkan genannt. OOLOGIE und BABYFON sind ebenfalls tolle Begriffe.

Bald wird eine ganze Artikelserie von dir auf wort-suchen.de zu lesen sein. Auf was dürfen wir uns freuen, wo soll die Reise hingehen?

Im englischen Sprachraum gibt es sehr viel Literatur zu Scrabble, in Deutschland hingegen kaum etwas. Deshalb wird es auch erst einmal darum gehen, wie ich mit Scrabble überhaupt näher in Berührung komme. Wie und wo kann man Scrabble spielen? Welches Angebot gibt es im Netz, welche in der realen Welt und wie komme ich mit Turnieren in Berührung? Es soll aber auch um Taktik-Fragen und weitere Dinge gehen, die einen als Scrabble-Spieler beschäftigen.

Vielen Dank für die Einblicke in deine Scrabble-Welt. Wir freuen uns auf deine Serie und sind gespannt auf den ersten Artikel.

Ben Bergers Artikelserie könnt ihr unter der Rubrik Die ersten Schritte eines Scrabble-Spielers lesen. Viel Freude beim weiteren entdecken der Scrabble-Welt wünscht wort-suchen.de.

Bildquellen

  • Mit verschränkten Armen grübelt Ben Berger über dem nächsten Wort.: Juliane Fritz
  • Ben Berger: Clemens Beier

2 Kommentare

  1. Hallo Ben,
    3d hab ich installiert, aber wie lade ich ein Wörterbuch?

    • Hallo Katharina,

      ich habe Deinen Kommentar mal in den anderen Artikel kopiert und wir geben Ben nochmal Bescheid, dass er sich bei Dir meldet, so er die Zeit findet.

      Liebe Grüße von den wortsuchenden, Tobias

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