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Die Hochkaräter im Scrabble

erstellt am von  in Wortspiele

Vorab ein paar Takte zur Historie: Ende der 1980er Jahren gab es die letzte Änderung des Buchstabensatzes für Scrabble. Die zuvor 115 Spielsteine wurden auf 102 reduziert, obendrein erhielten diverse Buchstaben neue Werte.

Ich habe mal die Punktzahlen meines Spieles aus dem Jahr 1955 mit den heutigen verglichen.

Die Unterschiede der Buchstaben

 

Buchstabe19552017
Ä26
C34
D21
F34
H32
J86
K43
O12
Ö28
P34
Ü26
V46
W43
X108
Y810
Z83

Scrabblebuch von 1989 brachte Änderungen

In ihrem 1989 erschienenen Scrabble-Buch erwähnt die Autorin Karin Spitzing, die vermutlich an der Umstellung beteiligt war, ein Lehrbuch der Informationstheorie und zitiert aus einer darin verzeichneten Statistik, in der allerdings die Umlaute nicht erfasst waren. Demnach träten V, F, K, P, J, X, Q und Y mit weniger als einem Prozent in der deutschen Sprache auf. Angaben über ein Referenzwerk oder Korpus fehlen.

Am meisten überrascht die Erwähnung von V und F. Denn in der 26. Auflage des Rechtschreib-Dudens erstrecken sich die Stichwörter mit dem V als Anfangsbuchstaben über rund 35 und jene mit F über mehr als 40 Seiten. Bei einem Gesamtumfang von ca. 1100 Seiten komme ich da auf etwa drei resp. vier Prozent. Nicht zu vergessen die Wörter, bei denen V oder F nicht am Anfang eines Wortes stehen, sondern an nachrangiger Stelle. Dass diese Betrachtungsweise mathematisch umstritten ist – allein schon wegen der in fast jedem deutschen Wort enthaltenen Vokale -, lass ich hier mal außen vor.

Die wertvollsten Buchstaben

Y und Q (10 Punkte), Ö und X (8), V, J, Ü und Ä (6) sind bekanntlich die wertvollsten Buchstaben beim Scrabble. Kein Wunder, denn diese kommen im Fundus der zulässigen Wörter nicht so häufig vor. Allerdings gibt es mehrere Blickwinkel in dieser Angelegenheit.

X, Y, Ö und Q haben ihren Schrecken längst verloren. Mit dem Q lässt sich zumindest ein zweibuchstabiges Wort legen (QI), mit allen weiteren sogar mehrere:

EX, IX und XI,
EY, MY und NY,
BÖ, NÖ, ÖD, ÖL und TÖ.

Nachvollziehbar also, dass viele erfahrene Scrabbler einen Faible für das Y und das Ö haben. Ich auch.

Bleiben also noch Ä, J, V und Ü.

Unter den zweibuchstabigen Wörtern ist das Ä vierfach vertreten (ÄH, ÄS, HÄ und SÄ),
mit dem J lassen sich JA und JE bilden,
mit dem Ü HÜ und ÜB.

Üblicherweise wird man diese Buchstaben also auch in der Endphase einer Partie irgendwie los, bestenfalls sogar mit mehrfachem Buchstabenwert.

Das V nimmt eine Sonderstellung ein: Es bedarf zum Ablegen dieses Buchstabens wenigstens zweier weiterer Buchstaben (beliebt: AVE, VIA, VON und VOM).

Zweibuchstabige Scrabblewörter mit den Hochkarätern

EX
IX
XI
EY
MY
NY
ÖD
ÖL
ÄH
ÄS
JA
JE
ÜB

Unregelmäßige Verben für die Umlaute

Anders zu beurteilen sind die Hochkaräter, wenn es um längere Wörter oder Bingos geht. Ich habe keine Ahnung, wie viele Begriffe mit mindestens sieben Buchstaben ein Q enthalten, gehe aber mal davon aus, dass es eine überschaubare Zahl ist.
Etwas häufiger wird bei den Bingos sicherlich das J auftauchen.

Bei den Umlauten sieht die Sache schon besser aus. Um sie unterzubringen, werden gern und oft die unregelmäßigen Verben herangezogen. Ob ENTKÄMEN (von „entkommen“), AUFTRÜGEST (von „auftragen“) oder BESÖNNEST (von „besinnen“) – die Liste der Möglichkeiten ist relativ lang, vor allem, wenn man noch die ganzen zusammengesetzten Formen berücksichtigt.

Nicht anders als heikel hingegen ist das V zu taxieren. Wenn nicht gerade E und R oder O und R für die Präfixe VER und VOR zur Verfügung stehen, sind die Chancen auf einen Bingo arg eingeschränkt.

Alle Steine auf einen Streich

Ich versuche beim Scrabbeln stets, alle Buchstabensteine auf einen Streich abzulegen. Wenn Sie diese Einstellung teilen, sollten Sie sich beizeiten von Hochkarätern wie dem Q oder dem J trennen. Soll heißen: am besten auf einem Buchstabenprämienfeld platzieren. Schließlich sind diese Buchstaben fürs Bilden längerer Wörter hinderlich.

Die Hochkaräter vertragen sich nicht nur untereinander nicht, sondern häufig auch mit gewissen anderen Buchstaben. Klar: Sie werden kaum einen Bingo platzieren können, wenn Sie mit Q und J, V und X oder mit Ä und Ü operieren müssen.

Aber es gibt halt auch Kombinationen mit vermeintlichen Allerweltsbuchstaben, die – zumindest in meinen Augen – hochgradig heikel sind. Beispielsweise kriege ich das kalte Grausen, wenn sich das J und ein I auf mein Bänkchen verirrt haben. Geradezu eiskalt wird’s natürlich mit noch einem weiteren I. Ähnliches widerfährt mir bei F und Y. Oder Q und H. Wenn nicht gerade taktische Überlegungen dagegensprechen, trenne ich mich in den beschriebenen Fällen rasch von einem dieser Buchstaben – in der Regel vom wertreicheren.

Neue Bepunktung von Scrabblesteinen

Nach meinem Dafürhalten wäre eine neue Bepunktung einiger Scrabblesteine sinnvoll. Vor allem das Y müsste Federn lassen, gefolgt vom Ö.

Andere Buchstaben hingegen hätten ein paar Punkte mehr verdient. Ich denke da in erster Linie an J, K, und W, die ich einfach nicht mag.

Erlauben Sie daher zum Schluss noch einen freundlichen Hinweis: Sollten wir mal bei einem Turnierspiel aufeinandertreffen und Sie beobachten, dass ich die Mundwinkel verziehe, dann habe ich vermutlich wenigstens einen dieser Buchstaben auf dem Bänkchen.

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Bild 1: Sebastian Herzog fordert eine neue Bepunktung der Steine im Scrabble.

Bildquellen:
Titelbild, Bild 1: Scrabblebrett mit Buchstaben und Hochkarätern auf der Bank, Anja Goritzka, webgilde GmbH

Sebastian Herzog

Sebastian Herzog ist Mitgründer und Vorsitzender des Scrabble Deutschland e.V. Zuvor hob er im Jahr 2000 gemeinsam mit dem ZEIT-Redakteur Dr. Wolfgang Lechner das erste deutschlandweite Scrabble-Turnier, das ZEIT-Turnier, aus der Taufe.

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