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Anagramme von Friedrich Wolfenter

Anagramme erstellen und im Schach gewinnen

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Friedrich Wolfenter im Gespräch

Friedrich Wolfenter ist kein normaler Stuttgarter Rentner. Er bekommt Post von Schach-Gegnern aus der ganzen Welt und grübelt schon mal über 18 Spielen gleichzeitig. Außerdem ist er ein großer Freund von Wortspielereien. Er baut die verschiedensten Arten von Anagrammen, zum Beispiel Gedichte und Rätsel. Wir haben mit diesem außergewöhnlichen Künstler gesprochen und auch Tipps bekommen, wie man selbst tolle Anagramme erstellen kann.

Herr Wolfenter, Sie beschäftigen sich sehr ausgiebig mit Anagrammen und auch mit dem Schachspiel. Fangen wir aber bei den Anagrammen an. Wie sind Sie zum ersten Mal mit dem Thema Anagramm in Kontakt gekommen?

Dem Anagramm bin ich erstmals in dem 29-zeiligen Gedicht „SEINESGLEICHEN“ von Oskar Pastior begegnet. Das zog mich sofort in seinen Bann.

Es beginnt mit den Zeilen:

Ich Selene Gneis

sieche Gelsen in

eng leise Nische.

Schienengeleis

ins Scheingelee.

Und am Ende dieser Gedichtzeilen stand in kleinem Abstand die Anmerkung „Ein Anagrammgedicht: immer die gleichen Buchstaben – aber anders gemischt!“ Diese Tatsache wirkte auf mich äußerst inspirierend und war gleichsam die Initialzündung zu eigenen Anagrammversuchen.

Friedrich Wolfenter war dem Anagrammfieber schutzlos ausgeliefert

Was fasziniert Sie so sehr an Anagrammen?

Für Sprache und speziell für Wortspiele hatte ich seit jeher ein Faible. Dass lediglich durch Umstellen der einzelnen Buchstaben eine neue sinngebende Zeile entstehen konnte, dazu noch in Gestalt eines ganzen Gedichts, faszinierte mich. Kombinieren, analysieren, experimentieren, kreativ sein – dies war schon stets eine Leidenschaft von mir, die sich dann ja auch in meinem Schachspiel manifestierte. Ein Hang zu Mathematik und Geometrie spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Das Pseudosinnige beim Anagramm gepaart mit Skurrilem und die dabei entstehenden Neologismen, übten einen neuen, schwer zu bändigenden Reiz auf mich aus. Ich war dem Anagrammfieber schutzlos ausgeliefert!

Über Friedrich Wolfenter

Der Anagrammist Friedrich Wolfenter

Friedrich Wolfenter zählt zu den wichtigsten deutschen Anagramm-Künstlern. Er schreibt unter anderem Anagramm-Gedichte und hat schon mehrere Bücher in seiner Edition TYPE & LINE veröffentlicht. Unter anderem sind das: „Aphorismen ohne Prisma: 24 Anagramm-Gedichte“ und „Hurensohn & Rosenhuhn. Schwarze Kunst im Anagramm.“

Seine Liebe zu Buchstaben- und Wortspielen hat der 82-Jährige auch seinem ehemaligen Beruf zu verdanken. Er ist ausgebildeter Farb- und Schriftlithograph. Kostproben seiner Kunst gibt es auf seiner Webseite www.wolfenter.de.

 

Anagramme erstellen ist nichts für Menschen mit Anagramm-Allergie

Gibt es eine Szene für Anagramm-Kunst und stehen Sie im Austausch mit anderen Menschen, die Anagramme erstellen?

Ja. Bei Ausstellungen, Lesungen, Workshops bin ich mit vielen Wortspiel- und Sprachbegeisterten ins Gespräch gekommen. Ich habe dabei festgestellt, dass es mehr Menschen gibt, die auf gleicher Wellenlänge mit mir liegen und die eine Antenne für Letternspiele besitzen. Geschätzt wird sehr, wenn die Anagramme auch optisch gefällig zur Geltung gebracht werden. Anklang findet das Anagramm besonders in der Schweiz. Es finden dort immer wieder so genannte Anagrammtage statt, bei denen sich Gleichgesinnte treffen, austauschen und ihre Werke zur Schau stellen.

Selbstverständlich begegnet man auch Leuten, die absolut nicht empfänglich für Anagramme und verwandte Poesieformen sind: Anagramm-Allergische. Sie werfen einem einen mitleidigen, abschätzigen Blick entgegen, der ausdrückt, was Sie denken: Was soll dieser Nonsens eigentlich? Doch dafür haben wir Anagrammisten nur ein müdes, nachsichtiges Lächeln übrig.

Finden Sie Wortspiele wie Scrabble auch spannend? Schließlich muss man als Scrabbler gut Anagrammieren können.

Eines meiner Lieblingswortspiele ist tatsächlich das mit dem Anagrammieren verwandte Scrabble. Es birgt für mich allerdings den kleinen Nachteil in sich, dass es mir meist an potentiellen Gegnern fehlt. Dessen ungeachtet verwende ich die kleinen handlichen Scrabble-Steine gerne für meine Anagrammsuche.

Tipps von Friedrich Wolfenter, wie er Anagramme erstellt

  1. Es beginnt mit der Suche nach einem Thema, das sich mir meist von selbst aufdrängt
  2. Ich lege eine Liste der zu dem Thema gefundenen Anagramme an
  3. Ich ordne die Anagrammbausteine nach Zusammengehörigkeit und Stil
  4. Soll es ein Gedicht werden, stelle ich die Bausteine so lange um, bis der Sprachrhythmus stimmt
  5. Schwache und nicht passende Anagramme werden gestrichen – ich verwende nur gute Anagramme
  6. Dann unterteile ich das Gedicht in Abschnitte und Strophen
  7. Als Hilfsmittel nutze ich Scrabblesteine und Anagramm-Generatoren (einen solchen Anagramm-Generator gibt es auch auf wort-suchen.de). Ich arbeite am PC weil ich dort die einzelnen Zeilen auf dem Bildschirm bequem vertauschen kann.
  8. Das neue Produkt muss zur “Reifung” unbedingt längere Zeit ruhen. Dann nehme ich Verbesserungen vor, die es immer gibt!

Anagrammieren ist Schachspielen mit Worten

Herr Wolfenter, vielen Dank für Ihre tollen Tipps zum Erstellen von Anagrammen. Im Moment sind Sie jedoch sehr beschäftigt mit Ihrer weiteren großen Leidenschaft: Sie spielen Fernschach und sind seit einigen Jahren ungeschlagen. Seit 2001 haben Sie 102 Partien ohne Niederlage gespielt, schreiben Sie auf Ihrer Webseite. Wann haben Sie mit dem Schachspiel angefangen und wie ist es dazu gekommen, dass Sie so ein guter Spieler sind?

Seit meinem 14. Lebensjahr spiele ich turniermäßig Schach. Das spezielle Fernschach spiele ich seit meinem 24. Lebensjahr. Schachspielen und Anagrammieren hat übrigens mindestens eine Gemeinsamkeit: Das Kombinieren, das mir wohl im Blut liegt. Anagrammieren ist Schachspielen mit Worten. Für beide Tätigkeiten braucht man Geduld, Disziplin und Konzentration – und mit diesen Eigenschaften kann ich mich identifizieren. Wenn man etwas gerne mit Begeisterung tut, für das man motiviert ist, stellen sich in der Regel auch Erfolge ein. Der Ehrgeiz wird angestachelt, der sich wiederum leistungsfördernd auf die Arbeit auswirkt. So einfach ist das!

Können Sie das eben erwähnte Fernschach-Spiel einmal erklären? Wie läuft das ab?

Fernschach, oder auch Korrespondenzschach genannt, spielt man, wie sein Name bereits aussagt, über größere Distanzen hinweg: Städte, Länder und Kontinente. Die Zugübermittlung erfolgt entweder per Post, Fax, Email oder Server – was vor Turnierbeginn festgelegt wird. Fernschach unterliegt den strengen Regeln der Spiel- und Turnierordnung vom Deutschen Fernschachbund und vom Dachverband ICCF (Anm. d. Red.: International Correspondence Chess Federation). Die Turnierformen sind sehr vielseitig. Um nur einige zu nennen: Es gibt Klassenturniere, Pokalturniere, Deutsche Meisterschaften, Senioren- und Damenmeisterschaften, Weltmeisterschaften und so weiter.

Wie sind Sie darauf gekommen, ganz speziell das Fernschach zu spielen?

Dies geschah bei mir, wie schon gesagt, als ich 24 Jahre alt war. Unser Verein, damals der PSV Ulm, suchte für seine Fernschachmannschaft noch einen Spieler und fand in mir sofort ein dankbares „Opfer“. Mir gefiel diese Turnierart auf Anhieb: Korrespondenz mit anderen Schachspielern der Welt sagte mir zu und ich fand es geradezu ideal, mich in Ruhe auf meine Züge vorbereiten zu können. Meine Spielstärke nahm als willkommener Nebeneffekt deutlich zu, speziell in der Eröffnungsphase einer Partie.

Sie sagten mir vor unserem Interview, dass Fernschach in Ihrem Leben viel Zeit einnimmt. Wie kann ich mir das genau vorstellen? Wie viele Spiele spielen Sie gleichzeitig? Wie viel Zeit verbringen Sie damit, Ihren nächsten Zug zu durchdenken?

Je nach Zugübermittlungsart stehen einem pro Zug zwischen drei und fünf Tage zur Verfügung. Wer die vorgeschriebene Bedenkzeit überschreitet, hat die Partie verloren. Wenn man zum Beispiel gleichzeitig zwei Turniere à zehn Teilnehmer absolviert, sind das zusammen 18 Partien, die man zu betreuen hat. Da kommt man ganz ordentlich ins Schwitzen! Es gibt komplizierte Partiestellungen, an denen man eine Woche lang oder auch mehr herumexperimentieren muss, um den seiner Meinung nach besten Zug zu finden. Es wurde mathematisch nachgewiesen, dass es beim Schachspiel mehr Züge gibt als Atome im Weltall. Da ist Anagrammieren im Vergleich erheblich unkomplizierter.

Dann wünsche ich Ihnen, dass Sie im Schach auch weiter unbesiegt bleiben und dass Sie nebenbei auch noch Zeit haben und neue Anagramme erstellen. Ist ein neues Buch in Planung?

In diesem Jahr wird es leider nur zu einer kleinformatigen Anagramm-Edition reichen. Mein Schwerpunkt liegt im Moment beim Fernschach.

Alles Gute dabei und vielen Dank für das Interview!

Bildquellen

  • Friedrich-Wolfenter: Friedrich Wolfenter
  • Anagramme-von-Friedrich-Wolfenter: Bildrechte bei der 1337 UGC GmbH