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Kreuzwortkolumne #49 – Redekunst

erstellt am von  in Kreuzworträtsel-Kolumne

Die Rhetorik, auch Redekunst genannt, ist eine der Sieben Freien Künste, für welche die GEMA noch keine Ansprüche geltend machen konnte.

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Wovon ist die Rede? Und Womit?

Die Rhetorik umfasst sämtliche Mittel, die uns zur Verfügung stehen, wenn wir zielgerichtet sprechen. Dazu zählen die Argumente in einer Debatte oder einem Streitgespräch (sachlich wie unsachlich), Behauptungen sowie das Bestreiten Selbiger, Demagogie (ideologische Hetze), Metaphorik (bildliche Vergleiche, auch weit hergeholte), Über- und/oder Untertreibungen gerade im Kabarett und in satirischen Schriften, sowie unterschiedlichste Arten von Floskeln, Idiomen und Fragen. Doch auch die nonverbalen Mittel wie Powerpoint und Flipchart gehören dazu. Zumindest in akademischen Kontexten. (seufz!)

Redekunst Diskussion
Bild 1: Vor Bologna waren Diskussionen im Seminar noch recht locker. Niemand lehnte sich weiter aus dem Fenster als nötig, man trug Konversationshüte und der Genuss von Alkohol war oft nicht nur erlaubt, sondern zwingend nötig für das Verständnis untereinander. Auch war es nicht verpönt, wenn Referenten direkt vom Blatt ablasen.

Der Rhetoriker – ein Überzeugungstäter

Die hohe Schule der Redekunst besteht nicht nur darin, schön daherzulafern. Es geht vielmehr darum, die geistige Haltung der Zuhörenden aktiv mitzugestalten. Die Königsdiziplin der Meinungsmache jedoch ist nach wie vor die der Selbsttäuschung. Durch Autosuggestion kann sich der Mensch selbst Dinge einreden und sich von deren Richtigkeit überzeugen, ungeachtet ihrer  Haltlosigkeit. Dazu gehören zum Beispiel die Neujahrsvorsätze. Man kann sich und anderen aber noch viel mehr (r)einreden.

Rhetoriklehrer

Wer heute an Redekunst denkt hat möglicherweise die Figur des Rhetoriklehrers vor Augen. Rhetoriklehrer sind vornehmlich an Universitäten zu finden, wo ihnen Kraft der Studien- und Prüfungsordnung regelmäßig Studierende zur Sprecherziehung vorgesetzt werden. Angehende Lehrer erfahren dort zum Beispiel, dass es Schülern nicht möglich ist, sich länger als fünf Sekunden auf das Gehörte zu konzentrieren, wenn die Lehrkraft Nebensätze verwendet, die Hände beim Sprechen bewegt oder gar zwischenzeitlich das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagert. Da Rhetoriklehrer sonst keinerlei gesellschaftlichen Mehrwert erzeugen ist der humanitäre Dienst der Hochschulen an ihnen gar nicht hoch genug zu bewerten.

Redekunstgegenstände – Was vorne rauskommt

Wenn einer viel redet und dabei wenig bis gar nichts sagt, so kommt doch auch Rohstoffliches aus dem Mund. Zum Beispiel das Blech, welches zwar schwer zu schlucken ist, aber immerhin schön scheppert – je nachdem, wie dämlich es ist. An halbwegs verdaulichen Nebenredeprodukten gibt es noch den Quark, der einem aufs Brot geschmiert wird, außerdem natürlich blumigen Kohl, der mit heißem Dampf einhergeht und Sülze, die nicht selten aus Schweinsköpfen trieft.

Wort und Totschlag

Alle für Einen: „Da könnt Ihr euch jetzt bei XY bedanken!“ Wer hat diesen Satz nicht schonmal von einer Lehrkraft gehört, wenn es darum ging eine Kollektivstrafe (im Übrigen verfassungswidrig!) zu rechtfertigen? Sehr beliebt bei Eltern, die öffentlich ihren Nachwuchs malträtieren und darauf angesprochen werden ist auch die semi-rhetorische Totschlagsfrage: „Haben Sie Kinder?“ Darauf fällt einem dann natürlich nichts mehr ein, außer vielleicht „nein, aber ich hatte auch bekloppte Eltern.“ Das dem Beamten-Dreisatz entlehnte „Das war immer schon so!“, wahlweise mit der Betonung auf Das oder immer, dient noch immer als universelles Scheinargument für die Nichtnotwendigkeit jedweder Veränderung am Status Quo.

Falsches Dilemma

Hier wird eine Entweder-Oder-Situation aufgemacht, die vorrangig dazu dient, jemanden in Erklärungsnot zu bringen. Der Klassiker lautet „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns!“. Funktioniert aber auch gut, wenn man beispielsweise einer unangenehmen Frage ausweichen will und dafür mal eben die geistigen Kompetenzen des Fragenden in Selbige stellt. (Zum Beispiel: Haben Sie überhaupt gedient/Abitur?, Wie alt sind Sie eigentlich?, Wie, du willst keine Kinder?)

Floskeln – Leere Redensart pour l’art

Die Grenze zwischen Redewendung und Floskel ist mitunter sehr dünn. Beide sind für den Smalltalk jedoch unerlässlich. Es folgen nun Beispiele für Floskeln, die sich selbstredend verbieten:

Andere Mütter haben auch schöne Töchter!

Soll angeblich tröstende Wirkung haben ist aber im Kern herzlos, chauvinistisch und hat einen leichten Beigeschmack von Austauschbarkeit.

Naja, schlechten Menschen geht es ja immer gut, nicht wahr?

höchstumständliche und nichtssagende Antwort auf die Frage nach dem werten Befinden („wie geht’s?“ ist ebenfalls eine tradierte Nullfrage).

…muss ja

Nicht drauf hereinfallen. Wer so auf die Frage: „wie geht’s dir?“ antwortet, will bloß gefragt werden, was denn los sei – nur um dann zu erwidern: „ach, frag nich…„.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Wo soll man da anfangen? Diese Aussage ist schon rein historisch falsch, falsch, falsch… und hat im Umgang mit Kindern nichts verloren. Nichts. Genauso könnte man auch sagen, ein Sklave kenne kein Schiff.

Redekunst Floskeln
Bild 2: Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir – die Standardreaktion auf die Frage nach dem Warum? und Wozu? weist immanent darauf hin, dass Schule und Lebenswirklichkeit oft aneinander vorbeigehen. Das ist schade, denn schließlich beansprucht die schulische Ausbildung bis zu 13 Jahre Lebenswirklichkeit. Eine mondoshawanische Weisheit bringt es da besser auf den Punkt: „Zeit spielt keine Rolle, das einzige was zählt, ist das Leben!“ Total grün, oder?

Die Herrschaftstechniken

Die sogenannten Hauptunterdrückungsmechanismen sind ein rhetorisches Mittel der Diffamierung und nicht zuletzt Diskriminierung. Dazu gehört auch die Erklärung einer Gruppe zur Randgruppe. Es folgen einige Beispiele herrschaftlichen Schwadronierens.

Double Bind, Victim-Blaming/Shaming

(auch: Opferbeschuldigung oder „Täter-Opfer-Umkehr“)

Jemand, der Zeuge eines Gewaltverbrechens wird und eingreift, so, wie es von der Gesellschaft für Zivilcourage e. V. gefordert wird, bekommt eine Flasche über den Kopf gezogen und trägt mehrere Gesichtsfrakturen davon. Polizei, Freunde und Verwandte reagieren mit einem (für ihn aktuell unmöglichen) Kopfschütteln verbunden mit der Frage: „Ja, was mussten Sie sich denn auch einmischen?“ oder „das kommt davon, wenn man den Helden spielt!“ Aus ähnlichem Geiste entstammen Äußerungen wie „Naja, Der/Die wollte das ja nicht anders“,  besonders beliebt beim Umgang mit Opfern sexueller Gewalt.

Herrschaftswissen und Unsichtbar machen

Hier stehen die bewusst ausgesparten Äußerungen im Vordergrund. Herrschaftswissen bezeichnet das gezielte Vorenthalten von Informationen gegenüber einer Gruppe oder Person, die aus Mitbestimmungsprozessen ausgeschlossen werden soll. Haben Diese es doch noch zum Meeting geschafft, werden sie entweder aktiv ignoriert oder permanent unterbrochen. Für Manche sieht so der Familienalltag aus.

Beschämung

Alles was dazu dient, jemanden gezielt der Lächerlichkeit preizugeben oder bloßzustellen, um eine Vormachtstellung zu zementieren. Wer je in Unterwäsche am Turnunterricht teilnehmen musste, weil er seine Sportsachen vergessen hatte, weiß was gemeint ist.

Fazit

Mit der Redekunst machen wir uns hörbar und (mehr oder weniger) verständlich. Wir können rhetorisch handeln um zu überzeugen, zu manipulieren oder zu unterhalten. Eine amerikanische Stand Up-Komikerin hat es so formuliert: „bring die Menschen zum Lachen und sie hören sich alles an, was du ihnen zu sagen hast.“. Leider finden Sprache und Humor nicht immer zusammen. Sprache bewirkt Gutes und Schlechtes. Ob als Prosa oder Propaganda, immer hängt es davon ab was Einer hinter dem Gesagten wirklich im Schilde führt und was der Andere daraus macht. Übrigens: Die Redekunst gibt es schon seit der Antike, aber einige rhetorische Mittel gibt es erst seit Beginn des digitalen Zeitalters.

Clickbaiting

In bisher 48+ Kolumnen hat der Kreuzwortbaron seiner wortspielreichen Redekunst gefrönt. Kolumne #26 wird Ihr Herz höher schlagen lassen!


Bildquellen
Bild 1: Steen Rhetoricans at a Window, Jan Steen, Web Gallery of Art, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6039987
Bild 2: Screenshot duden.de, Bearbeitung via getstencil