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Heiligenschein Artikelbild

Kreuzwortkolumne #64 – Heiligenschein

erstellt am von  in Kreuzworträtsel-Kolumne

Was unterscheidet die Heiligen von den Sterblichen? Es ist der Hut, der ihnen in Form einer Lichterscheinung über den Kopf wächst und dabei vor allem Autorität, Ansehen und Prestige ausstrahlt. Auch bei Göttern, Schutzpatronen, Engeln und Erleuchteten aller Art erfreut sich der Heiligenschein nach wie vor ungebrochener Beliebtheit.

Die gesamte Frühjahrskollektion an Heiligenscheinen findet ihr in unserer Kreuzworträtsel-Hilfe!

Sakralaccessoire Heiligenschein

Wir unterscheiden zwei Standardmodelle von Glorienscheinen, und zwar je nach der Art und Weise, wie sie getragen werden. Da wäre einmal die kreisförmige Aureole sowie ihr mandelförmiges Pendant, die Mandorla. Beide umgegeben traditionell den gesamten Körper. An warmen Tagen empfiehlt sich nach wie vor das zeitlose Hauptmodell Nimbus, welches zudem hervorragenden UV-Schutz bietet. Ältere Modelle bestanden noch aus einer mit Goldalufolie beschichteten, runden Platte, die mit einem Nimbusschlüssel am Hinterkopf befestigt wurde (siehe Abbildung).

Das Gemälde von Masaccio (1401-1428) zeigt Jesus (rechts im Bild) und einige seiner Jünger, die gerade dabei sind zu erörtern, wer an diesem Tage mit dem Abwaschhandel an der Reihe ist. Derweil hat Petrus (links hinten im Bild) bereits die Initiative ergriffen, um im Wohngemeinschaftsranking aufzusteigen.

Ein Licht geht auf, ich steig hinauf…

Was muss man tun, um einen Glorienschein zu bekommen? In den meisten Fällen zwar nur Eines, das aber sehr, sehr nachhaltig, und zwar: sterben! Idealerweise den Märtyrertod durch Verbrennung, Enthauptung, Kreuzigung, Steinigung, Strangulation, Rädern, Vierteilen und andere im Namen des Herrn ersonnene Warmherzigkeiten.

Sofern Sie bis zu Ihrem gewaltsamen Ableben ein frommes und kardinaltugendliches Dasein geführt haben, kommen Sie nun auf die Warteliste für die Seligsprechung. Die Bearbeitungszeit liegt in der Regel zwischen drei bis fünf Monaten und mehreren Jahrzehnten, lässt sich aber durchaus beschleunigen, zum Beispiel durch Wunder, welche nachweisbar einer an Sie persönlich gerichteten Fürsprache zugeschrieben werden können. Wenn also beispielsweise jemandem durch Murmeln ihres Namens die Warzen vom Fuße abfallen, können Sie den Märtyrertod unter Umständen überspringen (Näheres regelt ein Nimbusgesetz).

Hernach steigen Sie dann, zum Beispiel nach der Verbrennung, als erleuchtetes Wesen zunächst als Rauch in den Himmel und schließlich in den Stand des Heiligen auf, verbunden mit der Berechtigung den Titel „St.“ als Namenszusatz zu tragen. Mit diesem erweiterten Lebensabschluss stehen Ihnen dann zahlreiche Karrieremöglichkeiten offen. Die Meisten entscheiden sich für ein Amt als Schutzpatron, etwa für Seeleute, Bäcker, Städte oder diverse Tierarten.

Sankt Antonius – Schweinheiliger Urmönch

Antonius der Große lebte zwischen dem dritten und vierten Jahrhundert nach Christi Geburt in Ägypten. Er führte ein bescheidenes Dasein in eremitischer Askese. Aufgrund der damals schon horrenden Mietpreise hauste ADG zeitweilig sogar in einer Grabkammer, zog letzendlich jedoch hinaus in die Wüste, wo er dann hundertfünfjährig sein Leben beschloss. Zu Lebzeiten beeindruckte er durch Wunderheilungen und, offenbar geglückte, Exorzismen.

Unter dem Pseudonym „Fackentoni“ dient ADG heute sowohl den Bauern und deren Nutztieren, als auch den Schweinehirten und Metzgern als Schutzheiliger. Von einem Interessenkonflikt kann da absolut keine Rede sein.

Manche sind gleicher

Auch Schweine haben einen Schutzpatron: ANTONIUS.

Manager können sich sogar zwei leisten: ANTON und BERNHARD

(zitiert aus: Kreuzwortkolumne #1)

Töte dich täglich ab!

Heiligenschein Antonius der Große

Dem Heiligen Antonius wird ein bedeutendes Regelwerk für das Mönchstum zugeschrieben, das er nach heutigen Erkenntnissen allerdings posthum verfasst haben muss. Ein Wunder! In diesem Ordensbruder-Manifest wird unter Anderem vor zu großer Nähe zu Frauen gewarnt, da diese angeblich permanent „Zorn“ mit sich führen. Darüber hinaus gelten das stetige Blasen von Trübsal und kontinuierlicher Schlafentzug als Garant für den Besuch von Engeln. Abschließend enthält die Ordensregel des Antonius, der seit dem elften Jahrhundert im Nebenberuf Seuchenschutzbeauftragter ist, mit „Töte dich täglich ab“ eine der ältesten überlieferten Hygienevorschriften der Welt.

Klara von Assisi

1958 von Papst Pius XII. zur Schutzpatronin des Fernsehens ernannt, hat diese italienische Heilige des 13. Jahrhunderts seitdem alles, aber auch ALLES gesehen, was das Vor-, Nachmittags- und Abendprogramm zu bieten hat und hatte. Sie ist somit die einzige Heilige, die das Martyrium erst nach ihrem Tode erleiden muss.

Heiligenschein Klara von Assisi

Ihrem Blick nach zu urteilen hat Klara soeben sämtliche Reality-Formate von MTV gleichzeitig gesehen, einschließlich der „Osbournes“ und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich ihren Heiligenschein über die Augen ziehen zu dürfen.

Gabriel von der schmerzhaften Muttergottes (Francesco Possenti)

Weil er angeblich noch im Endstadium seiner Tuberkulose mit seinen kalten, toten Händen einer Eidechse auf 100 Metern Entfernung die Schuppen runterschießen konnte, setzte sich der amerikanische Waffenlobbyist John M. Snyder dafür ein, Gabriel zum Schutzpatron der Schusswaffenbenutzer ernennen zu lassen.

Schutzpatronengurt

Erzengel Michael ist unter anderem Patron der Soldaten, Krieger, der Schweizer Polizei und der Fallschirmjäger. 1996 wurde er von John Travolta verkörpert und ist außerdem der Schutzheilige des Nils und der hessischen Stadt Schlüchtern.

Heiligenschein und Sein

Noch zu Lebzeiten selig- beziehungsweise heiliggesprochen werden leider nur die Allerwenigsten. Die Kriterien hierfür variieren auch sehr stark zwischen den Religionsgemeinschaften. Zum Beispiel können Dietrich Bonnhoefer und Sophie Scholl, beides anerkannte Märtyrer des 20. Jahrhunderts, nicht heilig gesprochen werden, da sie nicht katholisch waren. Hingegen sagte Martin Luther, dass es keiner Heiligenverehrung bedürfe um Gott anrufen zu können. Im Zweifel einfach mal durchklingeln. Falls es Ihnen ungeachtet aller Konfessionslosigkeit dennoch gelingen sollte – zum Beispiel über ein päpstliches Ehrenamt oder eine Spende im siebenstelligen Bereich für den Wiederaufbau eines heiligen Dachstuhls – lassen Sie sich unbedingt von einem Ikonenzeichner porträtieren – idealerweise vor dem Martyrium. Ihnen wird dann ein provisorische, rechteckige Gloriole übergezeichnet. Und falls es Ihnen in ihrem ersten Leben noch nicht gelingt, verzagen Sie nicht, denn es ist schließlich noch kein Heiliger vom Himmel gefallen.

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Noch mehr Wissenswertes findet ihr in unserer Kreuzwortkolumne und noch mehr Podcasts gibt es in unserer Rubrik Dominiks letzte Worte. Schaut vorbei!

Über den Autor

Der Autor ist tot…und ich bin der lebende Beweis dafür. Mein Motto: „Der Dativ ist des Objektes Stativ.“



Bildquellen:
Titelbild: Dominik Wachsmann; Copyright: frost || films; Photograph: Peggi Petzold

Bearbeitung: Frederik Schrader für 1337 UGC GmbH

Bild Masaccio: via Wikimedia Commons, gemeinfrei

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110087

Bild Antonius der Große: via Wikimedia Commons, gemeinfrei

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3648097

Bild Klara von Assisi: via Wikimedia Commons, gemeinfrei

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=154878