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Kreuzwortkolumne #62 – Prophet

erstellt am von  in Kreuzworträtsel-Kolumne

Allein sein Bart ist eine lebende Legende. Aber ein jeder Prophet ist immer nur so gut wie seine Glaubensgemeinschaft. Außerhalb derer ist er nur irgend ein Typ, der den Menschen Einen vom Pferd erzählt. Ob man ihn also teert und federt oder ein Netflix-Special gibt, hängt ganz von seinem Unterhaltungswert ab. Dostojewski sagte, dass die Menschen ihre Propheten zu töten neigen, weil sie Märtyrer einfach geiler finden. Falls der Berg also mal in Form eines Steinschlages über ihn kommen sollte – keine Panik, denn Carglass repariert!

Prophet

Ein Prophet ist in der Regel Empfänger einer Offenbarung und somit Botschafter (eines) Gottes. Der/die/das Gott spricht entweder direkt zum Propheten (meist leicht von oben herab) oder bemüht dafür Engel, Dornbüsche oder sonstige Messenger-Clients. Nach Erhalt der heiligen Nachricht muss diese unter das Volk gebracht, also verkündet werden.

Prophet oder Religionsstifter gesucht? – unsere Kreuzworträtsel-Hilfe hat sie!

Für die Glaubwürdigkeit eines Weissagers ist es unerlässlich, dass seine Prophezeihung am Ende auch wirklich eintritt:

„Da sprach ein Mann unter den Prophetensöhnen zu seinem Nächsten durch das Wort des HERRN: Schlage mich doch!

Der Mann aber weigerte sich, ihn zu schlagen.

Da sprach er zu ihm: Weil du der Stimme des HERRN nicht gehorcht hast, siehe, so wird dich ein Löwe töten, wenn du von mir weggehst!

Und als er von ihm wegging, fand ihn ein Löwe und tötete ihn.“

(Beweisführung abgeschlossen.)

Zitiert aus: Schlachter Bibel 2000, Buch der Könige, Krieg mit den Aramäern.

Ein Prophet ist also zwingend jemand, der etwas verkündet. Doch nur weil einer was verkündet, ist er noch lange kein Prophet. Da könnte ja sonst jeder kommen. Der Scientology-Führer David Miscavige sprach zum Beispiel im Jahr 2007 davon, dass Tom Cruise, auch bekannt als Missionar Impossible, dereinst Messias wird. Das sogenannte Dereinst ist immer ein wenig wischiwaschi. Unterschiedliche Glaubensrichtungen sprechen von einer Sonne, die im Westen aufgeht, einer Hölle, die zugefriert, Schweinen, die fliegen können, oder dem neuen Tool-Album, das erscheint, als Zeitpunkt des Eintretens bestimmter Ereignisse. Es ist zum Beispiel prophetisch, dass bereits in der Kolumne Buch der Bibel auf diesen Artikel verlinkt wird. Wenn es aber etwas konkreter sein soll, braucht auch der beste Kaffeesatzleser Hilfe.

Methoden der Prophetie

Eingeweideschau

Das Lesen aus den Eingeweiden von Opfertieren war schon lange vor Germany’s Next Top Model ein alter Hut. Die Beschaffenheit von Leber, Herz und anderen Organen gab in alten Kulturen Aufschluss über zukünftige Ereignisse, zum Beispiel darüber, was am Abend in der Suppe landet.

Hellsehen

Kassandra, Nostradamus, Madame Buchela – Durch Trance, Ekstase und Visionen verkünden sie uns Kriege, Kataklysmen und Kanzlerschaften. Grundsätzlich gilt: je schlimmer die Prophezeiungen um so höher später die Auflagenzahlen.

Meteorologie (=Untersuchung der überirdischen Dinge)

Die Meteorologie beobachtet Himmelserscheinungen und leitet daraus unter anderem die Wettervorhersage ab. Bereits unsere nomadischen Vorfahren haben sich gerne über das Wetter unterhalten. Kollektives Wettern gilt auch heute noch als die ursprünglichste Form des Smalltalks, besonders gegen Andersgläubige. Im Laufe der Zeit wurden Messstationen immer besser vernetzt und machten durch globalen Datenaustausch einigermaßen zuverlässige Wetterkarten möglich. Bekanntester Messdiener seiner Zeit war der Wetterfrosch.

Falscher Prophet – Spinne, Wetterfrosch und Co.

Manchmal ist etwas, das auf dem Mist gekräht wird, eben genau das. Frösche standen lange Zeit im Verdacht, das Wetter vorhersagen zu können. So auch Hausspinnen. Konnte man beim Frosch besonders tief ins Glas schauen, würde sich das Wetter halten. Riss die Spinne ihr Netz kaputt, gab es binnen elf tagen Sturm und Regen.

Wie der Mythos vom Haustier als Wetterprophet (Alfred Brehm, 1859) entstanden ist, kann heute nicht mehr einwandfrei geklärt werden. Vermutet wird, dass der flämische Tierliebhaber und Freigeist Jurg Kahelmann die Geschichte vom Frosch auf der Leiter ersponn, nachdem er eines Tages allzu ausgiebig an seiner Lieblings-Hauskröte geleckt hatte (s. o., Szene nachgestellt.)

Was sagt der Prophet…

…über die Familie?

„Es sollen nicht die Kinder den Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern den Kindern.“

So heißt es relativ eindeutig im 2. Brief des Paulus an die Korinther. Wie es dennoch dazu kommen konnte, dass die Kinder die Erde von den Eltern stets im schlechteren Zustand zurückbekamen, ist bis heute ungeklärt.

Moses hat außerdem gesagt, dass Gott gesagt hat, dass die Eltern geehrt gehören. Das mag grundsätzlich seine Berechtigung haben, dennoch gibt es gerade in der Bibel diverse Eltern(teile), die sowohl geehrt als auch gefedert gehören.

…über den Umgang mit Tieren?

Der Prophet des Islam, Mohammed, bezeichnet Mitleid gegenüber den Tieren als hohe Tugend. Jegliche Form der Tierquälerei wird von ihm als schwere Sünde verurteilt. Mohammed zufolge ist die Tötung einer Katze nur durch den Bau von 17 Moscheen wieder gut zu machen, wenn überhaupt. Auf Massentierhaltung, Legebatterien und Ferkelkastration umgerechnet gäbe es vermutlich keinen einzigen Fleck unbebauter Erde mehr.

Menschen, die gut zu Hunden sind und sie beispielsweise an besonders heißen Tagen Wasser aus ihren Schuhen trinken lassen – der Hundehimmel auf Erden – erfahren im Gegenzug die Vergebung all ihrer Sünden.

Im Alten Testament hingegen hören wir nicht selten von Tieropfern, bevorzugt Lämmer, Ziegen, Böcke (besonders Böcke!), Erstgeborene und so weiter. Das musste ja schiefgehen.

…über den Wert des Lebens?

Moses, der Mann, der es schaffte, dass ihm die israeliten 40 Jahre lang durch die Wüste hinterher irrten, und das auf einer Strecke, die laut Google Maps an sechs (maximal sieben) Tagen zu schaffen ist, er, Moses, der das Meer in Rotes und Schwarzes teilte und seither als eigentlicher Vater der großen Koalition gilt, er, Moses, welcher die Zehn Gebote von Gott persönlich diktiert bekam, von denen das wichtigste und schwierigste lautet:

„Du sollst/darfst/wirst nicht töten/morden!“

stellte sich voll inhaltlich hinter diese Kernaussage – außer, wenn jemand JHWH mit zu vielen Vokalen ausspricht oder seinen Goldschmuck zu Skulpturen einschmelzen lässt anstatt ihn der Kirche zu geben – dann, und vor allem DANN sollen die Leviten ihm die Federn lesen, auf dass ihm schwindelig werde!

…über Missbrauch?

Im Vorwort der kommentierten Erstausgabe ebenselbiger Zehn Gebote heißt es:

„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.“

Unklar ist die Position der Heiligen Schrift zu jenen, die den Namen Gottes missbrauchen, um andersgearteten Missbrauch zu rechtfertigen oder gar zu vertuschen. Man geht jedoch davon aus, dass diesen Subjekten ein besonderer Platz in der Hölle warmgehalten wird.

Prophet Volksmund

Manches Buch der Sprichwörter schreibt sich ganz von allein, denn auch das Kollektiv kann seherisch tätig werden. Aus jahrhundertelangen Beobachtungen und deren mündlicher Überlieferung haben sich bestimmte Weisheiten im Sprachgebrauch gefestigt, die größtenteils schon gar nicht mehr angezweifelt werden – auch dann, wenn sie sich nicht bewahrheiten, denn Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Ist bekannt.

Prophetie in Hollywood & Co.

Auch in der Popkultur wird immer wieder das Motiv eines Erlösers oder Auserwählten bemüht, der meist Gegenstand einer Prophezeiung ist. Zum Beispiel in „The Matrix“ oder in den „Star Wars“-Prequels, welche ironischerweise eher zu einer Entzauberung der eigentlichen Geschichte beitrugen. Man stelle sich vor, das Neue Testament würde zeitlich vor dem Alten spielen und beschriebe Gott als eine Art pilzinduzierter Massenpsychose. Klar, würde sich das immer noch verkaufen wie geschnitten Manna, aber es wäre einfach nicht mehr dasselbe.

In Frank Herberts Romanzyklus Dune wird Paul Atreides, später genannt Muad’Dib (aus dem Arabischen entlehnt, wörtlich: „Erzieher“) zum Anführer eines unterdrückten Volkes im Widerstand gegen Feudale Tyrannei und im Zuge dessen auch zu ihrem Erlöser. Der chilenische Regisseur Alejandro Jodorowsky, der zunächst eine geniale wie auch größenwahnsinnige Verfilmung des Stoffes anstrebte, sagte in einer Dokumentation aus dem Jahre 2014:

„Als Paul getötet wird, stirbt er nicht, denn der Messias ist die gesamte erleuchtete Menschheit. Am Ende ist sein Geist der Geist jedes Menschen. Er ist ein plurales Wesen. – Ich bin die Anderen, die Anderen sind ich.“

Nicht jede Prophezeiung braucht aber unbedingt einen Messias. In John Carpenters „Big Trouble in Little China“ benötigt der uralte und böse Lo Pan lediglich ein asiatisches Mädchen mit grünen Augen um seine Sterblichkeit wieder zu erlangen.

In George R. R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ fungiert Azor Ahai – Der Prinz, der verheißen wurde – als Lichtbringer die (Lange) Nacht, welche ja bekanntlich dunkel und voller Schrecken ist, zu bezwingen. Verschiedene Priester mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wer der oder die Auserwählte tatsächlich ist, fungieren hier als Propheten – genau wie in diversen Fandoms, wobei dort kein echtes Blut über Glaubensfragen vergossen wird.

Über den Autor

Dominik Wachsmann ist nichtpraktizierender Heide. Er wuchs als konfessionsloser Sohn einer Theologin und eines Chemie-Laboranten auf und entwickelte bereits im Kindesalter eine starke Abneigung gegen Frömmelei jeglicher Art. Er selbst lebt nach dem Motto: wer blind sät, wird stumm ernten.

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Bildquellen:

Bild 1: via Wikimedia Commons, gemeinfrei, Bearbeitung: Dominik Wachsmann für 1337 UGC GmbH,

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8146497

Bild 2: via getstencil, Bildrechte bei der UGC GmbH, Bearbeitung: Dominik Wachsmann, Quelle des Zitats: unbekannt

Titelbild: Dominik Wachsmann; Copyright: frost || films; Photograph: Peggi Petzold; Bearbeitung: Frederik Schrader für 1337 UGC GmbH