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Das Wort des Jahres - GroKo

Das Wort des Jahres - GroKo

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Alle Jahre wieder wird im Dezember das Wort des Jahres gewählt. Es führt uns vor, womit sich die Deutschen im jeweiligen Jahr besonders gerne öffentlich beschäftigt haben.

In diesem Jahr ging der Wortpokal an GroKo - eine Abkürzung für die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD.

Das Wort des Jahres 2013: GroKo.

Das Wort GroKo spiegelt, laut der Jury, das Thema wieder, welches die deutsche Gesellschaft in diesem Jahr am meisten geprägt hat - die Frage, welche Partei zukünftiger Regierungspartner der CDU werden kann und vor allem will. Die Anlehnung an das Wort Kroko (Krokodil), zeige eine "halb spöttische Haltung gegenüber der sehr wahrscheinlichen Koalition aus CDU/CSU und SPD".

Zudem passt die Wahl des Begriffs GroKo als Wort des Jahres perfekt in den Zeitplan der Regierungsbildung - denn am Wort-Wahltag, den 13. Dezember 2013, werden gleichzeitig die Stimmzettel des SPD-Mitgliedervotums ausgezählt, die zeigen sollen, ob und wie viele Parteimitglieder mit der CDU zusammenarbeiten wollen.

Verbale Leitfossilien des Jahres

Das Wort des Jahres wird jeweils von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählt. Zunächst erstellt eine Fachjury, bestehend aus dem Vorstand und weiteren wissenschaftlichen Mitarbeitern der GfdS, eine Art Top-Ten-Liste der für sie einflussreichsten Wörter des Jahres. Aus dieser Liste wird schließlich DAS Wort des Jahres gewählt.

Die Auswahl findet unter bestimmten Kriterien statt. Das Wort des Jahres soll das Thema widerspiegeln, welches im betreffenden Jahr ganz besonders in der öffentlichen Diskussion im deutschen Sprachraum heraus stach. Dabei spielt die relative Häufigkeit des Wortes in den Medien eine untergeordnete Rolle, entscheidender für die Auswahl sind die Prägnanz und Aussagekraft.

Allerdings soll das Wort des Jahres weder eine Empfehlung zur extensiven Nutzung noch eine Wertung seitens der GfdS sein. Sie sind viel mehr die verbalen Leitfossilien des jeweiligen Jahres.

Eine Auswahl gefällig?

Das erste Wort des Jahres wurde 1971 gekürt. Eine regelmäßige Wahl findet seit 1977 statt. Das ergibt eine Liste von ganzen 36 Wörtern des Jahres!

Eine Zusammenstellung aller gewählten Wörter liest sich wie ein Geschichtsbuch. Ein Beispiel: die Wörter des Jahres ab 1989.

  • 1989
Reisefreiheit
  • 2001
Der 11. September
  • 1990
Die neuen Bundesländer
  • 2002
Teuro
  • 1991
Besserwessi
  • 2003
Das alte Europa
  • 1992
Politikverdrossenheit
  • 2004
Hartz IV
  • 1993
Sozialabbau
  • 2005
Bundeskanzlerin
  • 1994
Superwahljahr
  • 2006
Fanmeile
  • 1995
Multimedia
  • 2007
Klimakatastrophe
  • 1996
Sparpaket
  • 2008
Finanzkrise
  • 1997
Reformstau
  • 2009
Abwrackprämie
  • 1998
Rot-Grün
  • 2010
Wutbürger
  • 1999
Millenium
  • 2011
Stresstest
  • 2000
Schwarzgeldaffäre
  • 2012
Rettungsroutine

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Wörter des Jahres, findet ihr über den Internetauftritt der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Von Unwörtern, Jugendwörtern und Anglizismen

Neben dem Wort des Jahres wird auch eine Anzahl weiterer Wortarten und Phrasen jährlich gekürt.

Das Unwort des Jahres wird so beispielsweise seit 1991 gewählt - zunächst ebenfalls durch die GfdS, seit 1994 durch den ehrenamtlich-unabhängigen Verein Sprachkritische Aktion: Unwort des Jahres (SAUdJ).

Laut der SAUdJ soll durch die jährliche Auswahl der "Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch" gelenkt werden.

Unwörter des Jahres - einige Beispiele:

  • 2005
Entlassungsproduktivität
  • 2006
freiwillige Ausreise
  • 2007
Herdprämie
  • 2008
notleidende Banken
  • 2009
betriebsratsverseucht
  • 2010
alternativlos
  • 2011
Döner-Morde
  • 2012
Opfer-Abo

Die Jugendwörter des Jahres, wie Gammelfleischparty (auch als Ü30-Party bekannt), hartzen oder Niveaulimbo (bedeutet soviel wie ein Abfall im Sprachniveau) werden seit 2008 durch den Langenscheidt-Verlag gekürt.

Der Anglizismus des Jahres soll indessen zum besseren Verständnis von Lehnwörtern führen. Seit nunmehr drei Jahren wählen die Leser des Blogs Anglizismus des Jahres, veröffentlicht von Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch von der FU Berlin, ihr eingewandertes Lieblings-Lehnwort. Die Top-Anglizismen der letzten Jahre: Crowdfunding, Shitstorm und leaken.

Word(s) of the Year!

Unsere englischsprachigen Wortkollegen sind indessen um einiges kreativer in der Auswahl um das Wort des Jahres, als die deutschen Sprachvereine.

In den USA werden durch die American Dialect Society die Word(s) of the Year gewählt und somit gleich mehrere verschiedene Wörter des Jahres gekürt. Diese werden in bis zu neun Kategorien unterteilt. So wurde beispielsweise 2012 das Wort self-deportation, eine freiwillige Rückwanderung von illegalen Einwanderern aus den USA in ihr Heimatland, zum most euphemistic word of the year gekürt.

Die Briten lassen ihr Wort des Jahres von den renommierten Oxford Dictionaries küren. Sie sind in ihrer Auswahl allerdings ähnlich zurückhaltend wie die Deutschen und wählen in nur einer Kategorie das Word of the Year. 2012 schaffte es das Wort omnishambles auf Platz eins der britischen Wörterliste. Es umschreibt eine auf Miskalkulationen oder Fehleinschätzungen basierende allgemeine Verwirrung.

In diesem Jahr ließen die Oxford Dictionaries einige Straßenpassanten Oxfords wählen, was ihr persönliches Word of the Year 2013 sei:

Das Wort der Welt?

Es gibt tatsächlich eine Institution, welche das weltweit geltende englische Wort des Jahres ermittelt. Das texanische Unternehmen Global Language Monitor (GLM) errechnet so alljährlich die am häufigsten im Web genutzten und gesuchten englischen Begriffe, Phrasen und Namen.

Im Jahr 2012 wurden die Wörter Apocalypse und Armageddon am häufigsten im Web genutzt. Die Phrasen des Jahres befassten sich hingegen mit weniger existenziellen Themen, wie dem Gangnam Style, während die am häufigsten auftretende, beziehungsweise gesuchte Person der Welt im Jahr 2012 Malala Youszafzai wurde, eine junge Pakistani, die gegen den Terror und für Frieden, Freiheit und Bildung in ihrem Heimatland kämpft.

Allerdings wird die statistische Analyse des GLM von Experten, wie Linguisten und Lexikografen beschuldigt, fehlerhaft zu sein. Trotz alledem, zeigt die Auflistung der internationalen Wörter des Jahres durch die GLM einen weltweiten Themenkomplex und lässt erahnen, wie sehr der Gangnam Style im Jahr 2012 in aller Erdenbürger Munde gewesen sein muss.

Welche Wörter würdet ihr als das Wort des Jahres 2013 wählen? Wir freuen uns auf eure Vorschläge! Postet euren Beitrag entweder direkt als Kommentar unter diesen Artikel oder auf der wort-suchen.de Facebook-Seite.

Bildquellen

  • groko_word_des_jahres: Bildrechte bei der 1337 UGC GmbH