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Deutsche Wörter im Englischen - wie es das Deutsche ins Englische schafft.

Entlehnt und zugenäht – wie es das Deutsche ins Englische schafft

erstellt am von  in Wortwissen
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Ob wir nach dem Sport duschen, der Nerd über Shuttles im Orbit spricht oder aus einem Quickie ein Baby entsteht, Anglizismen prägen unseren Alltag. Kaum jemand kommt ohne sie aus und viele verfluchen ihre bloße Existenz. Dabei ist eine derartige Sprachvermengung kein allein deutsches Phänomen. Alle Sprachen üben einen gewissen Einfluss auf andere aus. So nennt sich der Einfluss des Deutschen simpel Germanismus und ist besonders im Englischen präsent, wo Sätze wie „The hausfrau eats bratwurst and drinks schnapps at the weinfest“ oder „The landgraf wears a kutte and reflects on the gesamtkunstwerk about weltschmerz from the kapellmeister“ einigermaßen legitim sind. Wie das kommt und welche merkwürdigen Germanismen es im Englischen noch gibt, erfahrt ihr hier.

Von Entlehnungen und Fremdwörtern – Deutsche Wörter im Englischen Sprachgebrauch

Überall im Englischen sind Entlehnungen oder auch Fremdwörter aus der deutschen Sprache zu finden. Entlehnt heißt dabei nichts weiter, als dass die ursprünglich deutschen Begriffe an die englische Sprache angepasst wurden. So steht beispielsweise das englische Wort noodle für die uns bekannte Nudel.
Wenn jedoch Wörter zumindest annähernd buchstabengetreu aus dem Deutschen übernommen wurden, handelt es sich um Fremdwörter. Ein Beispiel hierfür ist rucksack. Aber auch Eigennamen sind typische Fremdwörter, da sie in der Regel nicht übersetzt werden und unter anderem als Markennamen mit ihren Produkten durch den internationalen Handel bis in die Staaten gelangen. So ist es dort ebenso wie in Deutschland möglich, einen Volkswagen zu kaufen.

Die Angst ums Kulturgut der Bratwurst

Aber auch unsere kulturellen Besonderheiten, die im Englischen keine adäquaten Entsprechungen besitzen, wie etwa spezielles deutsches Essen, gehen mit ihren Begriffen in den englischen Sprachgebrauch über. Sprecht ihr also in New York einen Passanten an und sagt: „The Oktoberfest was great and the eisbein, sauerkraut, bratwurst and the fresh hefeweizen were delicious“, wird er euch mit hoher Wahrscheinlichkeit schräg ansehen, aber ebenso verstehen.

Ferner sind es aber auch wissenschaftliche Erfolge, die das Deutsche immer wieder ins Englische überführen, so dass etwa Begriffe aus der Psychologie wie angst, abreact (abreagieren) oder gestalt nicht mehr aus der englischsprachigen Fachwelt wegzudenken sind.

Einwanderer und die Nazis

Ein weiterer, wenn auch nicht sehr entscheidender Faktor für die Übernahme von deutschen Wörtern ins Englische ist den deutschen Einwanderern geschuldet, die an ihrer Muttersprache und ihren Traditionen festhielten und so einzelne deutschstämmige Begriffe ins Englische überführten. Von ihnen stammt unter anderem der Begriff hamburger, der ursprünglich nur eine Frikadelle bezeichnete und nun als Re-Import für das bekannte Fastfood steht.
Deutlich höher sind jedoch einschneidende historische Ereignisse zu gewichten. So war etwa der Zweite Weltkrieg derart prägend, dass die englischsprachige Gemeinschaft in diesem Kontext noch immer von führer, reich, blitzkrieg, herrenvolk, jäger, nacht und nebel, luftwaffe und der autobahn spricht.

Ein Kindergarten geht um die Welt

Wenige andere deutsche Wörter im Englischen Sprachgebrauch sind so berühmt wie kindergarten. Auch wenn es den meisten US- Amerikanern nicht bewusst zu sein scheint, stammt das Konzept dieser Bildungsanstalt für Vorschulkinder aus Deutschland. Es wurde erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von deutschen Einwanderern nach Großbritannien und Nordamerika exportiert. Dabei war Deutsch in den Kindergärten der Vereinigten Staaten die vorherrschende Sprache, da diese hauptsächlich für den Nachwuchs der deutschen Einwanderer bestimmt waren. Nichtsdestotrotz setzten sich Kindergärten so sehr durch, dass bereits dreißig Jahre später über 300 von ihnen in den Staaten existierten. Die Bezeichnung kindergarten hat sich dabei bis heute gehalten, wenn auch mittlerweile häufig mit einem schlichten K abgekürzt.

Von Gesundheit zum Handy

Aufgrund des sinkenden Einflusses der Kirche in den USA, ist ein God bless you als Entgegnung auf ein Niesen nicht mehr überall en vogue, so dass sich die nicht ganz so religiösen Menschen lieber gegenseitig gesundheit wünschen.
Seltsamer wird es nur mit dem Scheinanglizismus Handy. Von vielen Deutschen noch als englischstämmig verurteilt, handelt es sich um eine deutsche Wortkreation für Mobiltelefone, die einzig englisch ausgesprochen wird. Der Witz ist jedoch, dass der Begriff Handy nun langsam Einzug ins amerikanische Englisch erhält und dort nach und nach die regulären Bezeichnungen, mobile device oder cell phone, zu ersetzen droht. Selbst die englischen Slangwörterbücher haben handy schon aufgenommen. Verrückt.

Deutsche Wörter im Englischen
Deutsche Wörter im Englischen – und zurück: Das Cell Phone heißt bei uns Handy, was offenbar auch im Englischen „praktisch“ ist!

uber oom pah pah

Weniger bekannt als die bisher aufgeführten Begriffe sind oom pah pah und uber. Dabei wurde das australische oom pah pah vom deutschen Humtata entlehnt und steht onomatopoetisch für die deutsche Blasmusik.
Uber ist hingegen eine englische Vorsilbe, die eine außerordentliche Steigerung bzw. Überlegenheit von etwas beschreibt. Das gängigste deutsche Pendant neben über ist das Wort super. Seinen Ursprung hat uber den Schriften Friedrich Nietzsches zu verdanken, der es mit Hilfe von Begriffen wie „Übermensch“ prägte.

Der Eiertanz geht weiter

Die Liste der deutschstämmigen Wörter im Englischen ist wahrscheinlich länger, als wir es uns jemals ausmalen könnten und nimmt aufgrund der sich stets weiterentwickelnden Sprachen weiter zu. Erst im Jahr 2011 ist der Begriff eiertanz als Bezeichnung für die zögerliche Haltung Deutschlands in der Eurokrise von der amerikanische Presse in ihren Sprachgebrauch überführt worden. Wir können also gespannt sein, welche unserer Wörter es noch ins Englische schaffen. Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß mit meinem vollkommen legitimen und englischsprachigen Abschluss:

“In the zeitgeist of the fifties a fräuleinwunder was a modern woman. She loved to read a kunstlerroman in the gemütlichkeit, to drink federweisser instead of a pils and she never had schadenfreude when somebody fell down. So she wore a symbolic heiligenschein.

Habt ihr Anregungen für weitere deutsche Wörter im englischen Sprachgebrauch oder Ideen für möglichst deutschklingende englische Sätze, dann hinterlasst uns doch einen Kommentar. Wir würden uns freuen.

Bildquellen

  • deutsche-Woerter-im-Englischen: Bildrechte bei der webgilde GmbH
  • Do you speak Englisch?: © kebox - Fotolia.com

Kommentare

4 Kommentare

  1. Offensichtlich reicht die Lehnwort-Theorie nicht ganz aus um zu erklären wie in den angel-sächsischen (englischen) Sprachraum Worte von germanischen Stämmen wie den Angeln und der Sachsen hinein kamen. War da eine ursprünlich gleiche Sprache?

  2. Danke für deinen Kommentar. Tatsächlich liegt dem Deutschen und Englischen das Westgermanische zu Grunde. So ist das Englische auf die Mitte des 5. Jahrhunderts, als die Angeln, Jüten und Sachsen England eroberten, zurückzuführen. Fortan sollten das „Deutsche“ und das „Englische“ eigene Wege gehen. Trotzdem beeinflussten und beeinflussen sich beide Sprachen weiter, so dass immer mal wieder Wörter aus der jeweiligen anderen Sprache entlehnt wurden und werden.

  3. Interessant wie du den Einfluss der Sprache erläutert hast. Ich habe auch letztens einen Artikel zu deutschen Wörtern im Englischen geschrieben. Was ich sehr bemerkenswert fand, war die Kategorie der deutschen Wissenschaft. Es gibt viele deutsche Wörter im Englischen, die durch die Literatur oder Philosophie geprägt wurden. Zum Beispiel „Bildungsroman“, „Leitmotif“ oder „Doppelganger“. Das letzere ist vermutlich dem Einfluss von Freud geschuldet. Zumindest wäre das meine Theorie, wenn du keine andere hast.
    Mein absolutes Lieblingswort mit deutschem Ursprung ist Superman. Das geht eigentlich auf Nietzsches Übermenschen zurück, auch wenn es eigentlich nichts mehr damit zu tun hat.

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