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Gedichtform im Kreuzwortraetsel Buch

Die Gedichtform im Kreuzworträtsel: Von Reimen und Strophen.

erstellt am von  in Wortwissen

Erinnerst du dich an den Deutschunterricht, bei dem dich dein Lehrer mit der einen oder anderen Gedichtform gequält hat? Beim Kreuzworträtsel kommst du mit REIM oder VERS meist auch nicht sehr weit.

Dass es darüber hinaus noch weit mehr Lösungen gibt als BALLADE oder LIMERICK, zeigt dir unsere Kreuzworträtsel-Hilfe: Wir haben mehr als 60 Möglichkeiten für die Frage nach einer Gedichtform im Kreuzworträtsel . Kennst du beispielsweise den PENTAMETER?

Die Kreuzworträtsel-Hilfe hat Lösungen von drei bis hin zu satten 14 Buchstaben parat. Wir verzichten allerdings darauf, sie dir gereimt vorzutragen. Bist du nun neugierig auf die Gedichtform im Kreuzworträtsel? Wir hätten da ein paar spannende Informationen…

Was macht ein Gedicht aus?

Einem Lexikon zufolge ist ein Gedicht ein sprachlich kunstfertiger Text. Unbedingt reimen müssen sich seine Worte nicht: Viele moderne lyrische Texte kommen durchaus ohne Gleichklang aus. Kennzeichnend für ein Gedicht sind vielmehr eine bildhafte, rhythmische Sprache und die Unterteilung in Verse und Strophen.

Dabei ist ein Vers eine Zeile und eine Strophe ein Absatz eines Gedichtes. Wie diese Elemente angeordnet sind, bestimmt die Gedichtform. Ob du also eine ODE oder ein SONETT vor dir hast, hängt von den Merkmalen dieser Gedichtarten ab, zum Beispiel der Länge ihrer Strophen oder der Anzahl der Verse.

Klassische Gedichte besitzen häufig ein regelmäßiges Reimschema mit mindestens vier Versen. Reime können in Paaren auftreten, stetig aufeinander folgen – der soge-nannte Haufenreim – oder sich als Kreuzreim in jeder zweiten Zeile reimen.

Dieser Klassiker von Wilhelm Busch aus dem Gedicht „Ärgerlich“ (um 1899) ist beispielsweise ein Kreuzreim:

Gedichtklassiker Busch
Strophe aus dem Gedicht „Ärgerlich“ von Wilhem Busch mit Selbstporträt des Künstlers.

Als „umarmenden Reim“ bezeichnet man es, wenn sich die erste und letzte Zeile der Strophe reimen. Klingt alles ziemlich theoretisch? Schauen wir uns einige Gedichtformen etwas näher an.

Reimt sich nicht, ist aber ein Gedicht

Bestimmt hast du schon einmal vom HAIKU gehört! Diese Gedichtform kommt aus Japan. Die Ursprünge des Haiku liegen im 13. Jahrhundert, die heute bekannte Form bildete sich etwa im 16. Jahrhundert aus. Das Haiku ist weltweit die wohl kürzeste Art eines Gedichts. Denn traditionell besteht es aus lediglich drei Zeilen und hat meist, aber nicht immer, eine Anordnung von 5-7-5 Silben. Abweichungen sind durchaus möglich, zumal diese Gedichtart sich längst außerhalb Japans großer Beliebtheit er-freut.

Wichtig ist bei einem traditionellen Haiku, dass es sich auf die Gegenwart (häufig auf eine bestimmte Jahreszeit) bezieht und etwas Konkretes beschreibt. Viele Haiku be-schäftigen sich mit der Natur; ein reines Naturgedicht, wie man früher dachte, ist das Haiku aber trotzdem nicht.

Eines der berühmtesten Haiku stammt von Matsuo Bashō und kommt aus dem 17. Jahrhundert. Es gibt mehrere Übersetzungsvarianten dieses Gedichts.

Eine davon geht so:

Der alte Teich
Ein Frosch springt hinein –
das Geräusch des Wassers.

Wie du siehst, passt die Silbenanzahl aufgrund der Übersetzung hier nicht, im japani-schen Original stimmt sie natürlich.

Matsuo Basho, gezeichnet von Yokoi Kinkoku.
Der japanische Dichter Matsuo Basho und sein berühmtes Haiku in einer Zeichnung von Yokoi Kinkoku, um 1820.

Zurück nach Europa: Mittelalter-Singsang

Wenden wir uns wieder unserem eigenen Kulturkreis zu. Viele bekannte Gedichtfor-men stammen aus dem Mittelalter, so auch die BALLADE. Das ist ein Gedicht, in dem mit mehreren Strophen praktisch eine Geschichte erzählt wird. Die Ursprünge der Ballade liegen in französischen Tanzliedern. Balladen sind deshalb besonders rhythmisch.

In der Ballade spielt das Metrum eine wichtige Rolle. Das Metrum oder Versmaß bestimmt, welche Silben des Gedichtes du beim Lesen betonst und welche nicht – damit legst du den Rhythmus fest. Es gibt vier verschiedene Formen des Metrums: Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst. Jede dieser Formen hat eine unterschiedliche Abfolge der betonten beziehungsweise unbetonten Silben.

Der Jambus ist in deutschen Gedichten besonders beliebt und kommt dementsprechend häufig vor: Hier folgt auf eine unbetonte Silbe eine betonte. Lies einfach mal laut die folgende Zeile einer der bekanntesten deutschen Balladen. Erkennst du sie?

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Stimmt: Das ist der Anfang des „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe, geschrieben 1782. Dieses berühmte Gedicht wurde mehrfach vertont unter anderem von Franz Schubert – eine echte Ballade eben.

Franz Schubert: Erlkönig

Geht das auch lustiger?

Zugegeben, bei Gedichten überwiegt oft die Ernsthaftigkeit. Und offenbar gibt es immer irgendwelche Regeln, an die man sich halten muss. Puh! Können Gedichte denn gar keinen Spaß machen? Doch! Schauen wir uns mal den LIMERICK und das UNSINNSGEDICHT an, übrigens, zwei gute Beispiele für eine Gedichtform im Kreuzworträtsel, wenn viele Buchstaben gefragt sind.

Der Limerick ist ein kurzes und spaßiges Gedicht – allerdings gibt es auch hier einige relativ feste Regeln. Diese Gedichtart kommt in fünf Zeilen und folgt einem Reim-schema, bei dem sich jeweils zwei unterschiedliche Paarreime abwechseln und das letzte Wort der letzten Zeile sich wieder auf das allererste Wort des Gedichts reimt:

There was an old person of Bangor,
Whose face was distorted with anger;
He tore off his boots, and subsisted on roots,
That borascible person of Bangor.

Das ist ein bekannter Limerick von Edward Lear aus dem späten 19. Jahrhundert. Lear gilt praktisch als der Erfinder dieser Gedichtform. Zum Limerick gehört typischerweise, dass ein Ort erwähnt wird, der allerdings für den Inhalt des Gedichtes selbst keine Bedeutung aufweist. Häufig geht es um eine Person, deren Eigenschaften scherzhaft beschrieben werden.

Auch das Unsinnsgedicht stammt aus dem 19. Jahrhundert. Wie der Name schon sagt, hat sein Inhalt keinen Sinn, ist scherzhaft gemeint oder völliger Blödsinn. Das Unsinnsgedicht ist eine spielerische Form der Poesie. Streng genommen ist auch der Limerick Unsinnspoesie, es zählen aber auch Abzählreime oder Zungenbrecher dazu. Das Unsinnsgedicht als solches war hierzulande eine Domäne solcher Autoren wie Heinz Erhardt, Christian Morgenstern oder Joachim Ringelnatz. Letzterer schrieb beispielsweise zu Beginn seines Gedichtes „Lampe und Spiegel“ vor über 90 Jahren:

„Sie faule, verbummelte Schlampe!“
sagte der Spiegel zur Lampe.
„Sie altes, schmieriges Scherbenstück!“
gab die Lampe dem Spiegel zurück.

Noch mehr Kurioses rund um die Gedichtform

Hast du schon ein bisschen gestöbert in unserer Kreuzworträtsel-Hilfe? Die Antworten zum Thema Gedichtform im Kreuzworträtsel enthalten durchaus ein paar erstaunliche Begriffe.

Da wäre zum Beispiel das AKROSTICHON: Diese Art des Gedichtes ist vor allem in der jüdischen Literatur geläufig und heißt hierzulande auch Leistengedicht. Der Grund: Die jeweils ersten Buchstaben oder Wörter eines solchen Gedichtes ergeben ein neues Wort oder einen Satz mit neuem Sinn.

Mit 13 Buchstaben ist der KLAPPHORNVERS eine der längsten Gedichtformen im Kreuzworträtsel. Er ähnelt dem Limerick, ist aber in Deutschland entstanden und hat nur vier Zeilen mit je zwei Paarreimen. Sein Inhalt ist humorvoll und beginnt häufig mit den Worten „Zwei Knaben …“.

Vielleicht wunderst du dich über den Begriff CARMEN. Das ist tatsächlich nicht nur ein Frauenname, sondern auch die abgekürzte Form einer Gedichtart, der Carmen figuratum nämlich. Auf Deutsch nennt man es Figurengedicht: Der Text formt eine Figur, zum Beispiel ein christliches Kreuz.

Figurengedicht „Über den gekreuzigten Jesus“ von Catharina Regina von Greiffenberg.
So sieht ein Figurengedicht aus: „Über den gekreuzigten Jesus“ von Catharina Regina von Greiffenberg, um 1700.

Gedichtformen im Kreuzworträtsel

Wie du siehst, sind die Lösungen für die Frage „Gedichtform“ in deinem Kreuzworträtsel wirklich vielfältig. Mit uns hast du hoffentlich viele neue Informationen über die eine oder andere Form aufgenommen. Viel Spaß also bei deinem nächsten Ausflug in die Welt der Lyrik und deinem nächsten Rätsel!

Bildquellen
Titelbild: Buch mit Schriftzug via getstencil für wort-suchen.de
Bild 1: Selbstporträt von Wilhelm Busch – via Public Domain über Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wilhelm_Busch.JPG
Bild 2: Matsuo Basho gemalt von Yokoi Kinkoku – via Public Domain über Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Basho_by_Kinkoku_c1820.jpg
Bild 3: Figurengedicht von Catharina Regina von Greiffenberg – via Public Domain über Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Greiffenberg_Figurengedicht_Handschrift.png