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Kreuzwortkolumne #50 – Das große Interview

erstellt am von  in Kreuzworträtsel-Kolumne

Die Kreuzwortkolumne wird 50! Doch wer verbirgt sich hinter dem Gesicht hinter dem Gitter? Ein Interview mit Dominik Wachsmann.

Die Kreuzwortkolumne wird 50!

Kreuzwortkolumne
Bild 1: Trotzdem er kreuz und quer unterwegs ist, hat sich Dominik „Kreuzwortbaron“ Wachsmann Zeit für ein Interview genommen.

Herr Wachsmann…

Ach, bitte! Nicht so förmlich. Nennen sie mich Kreuzwortbaron. Das tun irgendwie alle hier (lacht).

Äh, nun gut. Herr Baron…

Kreuzwort-…! Kurzzeitig hieß ich sogar mal Kreuzwortpapst, aber dann wurde mir das unheimlich…

Verzeihung. Also, Herr Kreuzwortbaron, Ihre Kolumne wird doch tatsächlich 50, und das obwohl sie erst seit 2014 erscheint. Haben Sie da nicht auch ein wenig Angst vor einer Midlife-Crisis?

Ja und nein. Wissen Sie, ich selbst hatte meine ja schon mit 25. Damals hieß es, entweder Callcentern oder irgendwas mit Medien studieren.

Und, haben Sie?

Sicher. Aufgrund eines Schreibfehlers hatte ich mich für das gymnasiale Lehramt immatrikuliert und kam da jahrelang nicht raus. Dann wurde das Geld knapp und ich fing zunächst als freier Keyword-Orthopäde bei wort-suchen.de an. Damals war ich im Nebenberuf noch Bettendesinfizierer. Sie machen sich keine Vorstellung, was ich da alles…

Aha! Und wie genau sind sie zu Ihrer Kolumne gekommen?

Es wurde jemand gebraucht, der sich um die Datenbank für die Kreuzworträtsel-Hilfe kümmerte. Die ist ja unser ganzer Stolz, nicht wahr. Und schwups!, war ich Datenpfleger. Dabei fielen mir immer wieder interessante und ungewöhnliche Begriffe auf, um die ich es sonst schade gefunden hätte. Nehmen wir mal das wunderbare Wort STRIPSENJOCH. Klingt wie ein Demütigungsritus beim Junggesellenabschied, ist aber in Wirklichkeit ein Pass im Kaisergebirge. Oder wussten Sie, dass Manager doppelt soviele Schutzheilige besitzen wie Schweine?

Ich ahnte sowas. Die Kolumne wurde also ins Leben gerufen, damit die Perlen auch mal die Auster von außen sehen?

Würde ich niemals so formulieren, aber Sie haben durchaus Recht. Am Anfang habe ich immer so kleine Listen erstellt, zum Beispiel „Heilpflanzen“ oder „Farben“. Da kamen dann solche Dinge rein wie HOSENSCHIFFERN, KEUSCHBAUM und STINKSALAT, allesamt pflanzliche Beruhigungsmittel. Oder wussten Sie, dass unsere deutsche Nationalflagge zu je einem Drittel aus Trauer, Liebe und Neid besteht? Das bringt einem kein Fußballtrainer bei. Ich aber schon!

Bild 2: EINKORN aus: Kreuzwortkolumne #5

Listen sind also Ihr Ding?

1. Nicht unbedingt,
2. kommt es auf die Listen an.
In meiner 4. Kolumne habe ich eine Liste bekannter WUERGER veröffentlicht. Ich habe ein Faible für schräge Vögel. Außerdem gibt es dort eine Aufstellung über die regionalen Bezeichnungen für minderwertig zubereiteten Kaffee. Möchten Sie noch einen Kapsel-Espresso? Der hier ist bio-fairtrade…

Vielen Dank, aber ich muss nachher noch schlafen. Wann haben Sie damit begonnen, sich in Ihrer Kolumne nur noch je einem Begriff zu widmen?

Das war in Kolumne #6 – Geliebte des Zeus. Ich sage Ihnen, der Zeus hat die Blitzehe erfunden. Und beschlafen hat er Gott und die Welt. Wie hieß noch gleich seine letzte Frau? Alimente? Chlamydiene? Hach, ich und Namen… Den alten Griechen hab ich später noch so einige Zeilen gewidmet.

Apropos. Ihr Schreib- und Recherchestil ist, nun, sagen wir mal reichlich unorthodox und Ihre Vergleiche wirken oft etwas… „beliebig“.

Vielen Dank, das geht runter wie Blumenkohl. Sie müssen wissen, ich habe erst mit 24 so richtig lesen gelernt. „Fabian“ von Erich Kästner, danach ging’s mir besser. Hauptsächlich beeinflusst bin ich aber von Hunter S. Thompson und Heinz Sielmann.

…?

Beim Kreuzworträtsel gibt es ja meistens nur Hinweis und Lösung, und dann ist Schluss. Aber dieser Diskurs geht mir nicht weit genug. Hinter den Begriffen verbergen sich oft interessante Geschichten, die bisher nur noch niemand erzählt hat.

Bild 3: HORNISTEN aus: Kreuzwortkolumne #14 – Blasinstrument

Aber wie halten Sie es mit der Präzision?

Oha, eine Grätchenfrage? Butter bei die Fische, das respektiere ich! Es hängt davon ab, wieviel ich selbst vom jeweiligen Thema verstehe, über das ich schreibe. Bis ich eine wissenschaftliche Quelle vollends kapiert habe, muss ich sie oft mehrfach umschreiben.

Im Sinne von beschreiben oder umändern?

Beides. Manche Aspekte sind dann zwar schlichtweg ausgedacht, jedoch sind gerade diese Details besonders akkurat und scharf beschrieben. Ich will ja das Rad nicht neu erfinden, aber warum sollten wir uns nicht eine gewisse interpretative Freiheit bewahren? Nehmen Sie nur meine Abhandlung über das Buch der Bibel oder die Winkelfunktion. Ich bin nichtpraktizierender Heide und Rechnen konnte ich nur bis zur Oberstufe, dann kam Mathematik ran und ich verstand überhaupt nichts mehr. Was bleibt mir da anderes übrig?

Und damit lässt man Sie durchkommen?

Mein essayistischer Gonzo-Stil, welcher mich zu Schulzeiten regelmäßig in Teufels Küche brachte, kommt die Redaktion ungemein billig. Stellen Sie sich mal vor, was wir sonst alles an Büchern ranschaffen müssten. Fachliteratur gehört mit zur Teuersten! Oder die ganzen Expeditionen, die ich meinem Arbeitgeber erspare, indem ich alles von zuhause untersuche: Meeressäugetier, Plattfisch, Mittelmeerwind… ich bräuchte ja Segel-, Tauch- UND Flugschein. Autofahren kann ich übrigens auch nicht.

Erschütternd. Wie genau haben wir uns die Entstehung einer Kolumne vorzustellen?

Nehmen wir als Beispiel Kreuzwortkolumne #46 – Kolloid. Ich hatte ja den Chemie-Unterricht wegen meiner sensiblen Haut schon früh verlassen und wusste daher nur wenig über Kolloidsysteme. Bei meinen Recherchen fand ich allerdings heraus, dass ich unwissentlich schon mehr als einmal davon genascht hatte: Milch, Zahnpasta, Leim, Küstennebel… danach war es ganz einfach. Oder die Wechselbürgschaft. Als Kind habe ich nicht mal das Konzept von Wechselgeld verstanden. Das gab zuhause regelmäßig Krach. Mein Anspruch ist es, hochkomplexe Dinge so herunterzubrechen, dass das innere Kind sich nicht langweilt. Eigentlich schreibe ich die Kolumne für Leute wie mich. Hahaha (lacht)!

Bild 4: BLÄTTCHELOR aus: Kreuzwortkolumne #15 – Zierpflanze

Wie viele Leser hat die Kreuzwortkolumne derzeit?

Ein Gentleman genießt und schwelgt. Mit einigen bin ich sogar verwandt.

Wie hat sich die Kolumne im Laufe von 50 Ausgaben verändert?

Zu Beginn habe ich mich wie gesagt auf kommentierte Listen beschränkt. Irgendwann wollte ich dann aber doch kleine Geschichten erzählen und den Leuten dabei mein subversives Gedankengut unterjubeln. Wenn ich zum Beispiel über das Meeressäugetier schreibe, dann komme ich an einem Kommentar zur Massentierhaltung ja gar nicht vorbei. Die wird ja im Biologie-Unterricht gerne mal unterschlagen.

Massentierhaltung in den Ozeanen???

Ich bitte Sie, bloß weil die Stallungen unterseeisch liegen, sind sie noch lange nicht artgerecht.

Und was ist nun genau das Subversive an der Kreuzwortkolumne?

Allein, dass Ihnen das noch nicht aufgefallen ist, zeigt mir, dass ich es richtig mache. Subversiv heißt ja quasi untergejubelt, durch stetigen Stimulus des Untierbewusstseins. Auf diese Weise verkaufen sie uns ja auch Zigaretten und Cola. Ich will das einmal am konkreten Beispiel erläutern: Vor einiger Zeit schrieb ich über REGIERUNGSFORMEN. Da reicht es nicht zu sagen, Demokratie hier oder Diktatur da… da muss man auch ein wenig ins Detail gehen, solange man noch darf.

Ich kann nicht folgen…

Eine gesunde Grundhaltung! Herrschaftsstrukturen sind ja nicht nur das, was uns die Nichtwähler einbrocken. Das fängt schon in der Familie an, zieht sich durch die gesamte Schullaufbahn und endet, wenn man Pech hat, auf der falschen Seite der Supermarktkasse.

Heißt das, Sie bleiben gerade dadurch beim Thema, indem Sie abschweifen?

Naja, wer etwas über Schädelknochen lernen möchte, der kommt an der Kopfpauschale nicht wirklich vorbei. Sie können sich oberflächlich mit Sedimentgestein befassen und dabei vor lauter Sand die Wüste nicht finden. Schauen Sie, es geht mir schon auch um die großen geopolitischen Zusammenhänge, die werden ja im Erdkunde-Unterricht gerne mal unterschlagen. Wenn ich einen Artikel über die Inselstaaten im Pazifik schreibe, dann weise ich natürlich dezent auf die lange Tradition an Nuklearwaffentests sowie deren Folgen hin. Das wird ja im Physikunterricht gern mal unterschlagen.

Sind Sie eigentlich gern zur Schule gegangen?

Doch, doch… irgendwann 1996, da gab es einen Tag oder zwei… wissen Sie, ich hätte ja beinahe mal Geschichte studiert. Davon profitiere ich heute noch. Wenn ich etwas über die Hawaii-Insel schreibe, dann interessiert mich neben der Geographie natürlich auch die Kultur, oder das, was der Kolonialismus davon übrig ließ. Wussten Sie zum Beispiel, dass es gut und gerne 30 Sorten Bier auf Hawaii gibt? Weite Teile deutschen Karneval-Liedgutes müssten eigentlich umgeschrieben werden.

Apropos Liedgut, haben Sie mal über eine Audiofassung ihrer Kolumne nachgedacht?

Hmmm, keine schlechte Idee. Da könnte ich meine Outtakes unterbringen. Ich sehe, Sie haben da ein Diktiergerät – Wollen wir gleich mal so einen Podcast improvisieren und schauen, wie er angenommen wird?

Toll! Könnte ich wohl die Bildrechte an dem Foto bekommen?

Ist es eigentlich anstrengend, immer so assoziativ unterwegs zu sein?

Für manche Menschen schon, mit denen hab ich aber wenig am Hut.

Fürchten Sie, dass Ihnen irgendwann mal die Ideen ausgehen?

Tja, was soll ich jetzt dazu sagen?

Bild 5: ACHATART aus: Kreuzwortkolumne #16 – Schmuckstein

Das Interview führte Pangasius v. Krillmann


Bildquellen:
Titelbild: via Getstencil, Bildrechte bei der 1337 UGC GmbH
Bild 1,2,3,4,5: via Getstencil, Bildrechte bei der 1337 UGC GmbH.