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Kreuzwortkolumne #44 – Regierungsform

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1934, ein Jahr vor seinem Tod im Exil, schrieb Kurt Tucholsky: Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt. Egal, ob man es nun als Regime, Staatsform oder politisches System bezeichnet – dort, wo alle Ohnmacht vom Volke ausgeht, nennen wir dieses Phänomen Regierungsform.

Wenn Ihr wissen wollt, in welcher Regierungsform Ihr heute früh aufgewacht seid, dann schaut doch einfach in unsere staatliche Kreuzworträtsel-Hilfe!

Regierungsform – Herrschaftszeiten!

Monarchie, Demokratie, Diktatur und Anarchie sind sicher die bekanntesten Regierungssysteme. Doch es gibt noch viel, viel mehr Herrschaftsformen! Es folgt eine Auswahl:

Kundentum

Er ist der dümmste August unter den Erbfolgemonarchen. König Kunde ist das muntere Ende der Nahrungskette. Als ihm erstmalig der lange Donnerstag hingehalten wurde, begann er nach und nach die ganze Woche aufzufressen. Ihm zu Gefallen schicken EDEKA & Co. ihre Lebensmittel zuweilen bis Mitternacht auf den Strichcode. Freundlich, gut gelaunt und ansehnlich soll dann auch bitte das Ladenpersonal sein, denn Majestät brauchen Sonne zu allen Jahreszeiten.

Kunden sind Leute, die für Kaffeekapseln den aktuellen Kokain-Listenpreis hinblättern, aber sich beim ALDI billigen Sprühschinken besorgen. Ihretwegen bestimmt zunehmend das Angebot die Nachfrage.

Timokratie

Auch bekannt als Plutokratie. Dies ist die Staatsform, in der ein Mann das ist, was er in der Hose(ntasche) hat. Die Rechte des Einzelnen sind gekoppelt an sein Jahresnetto. Hier regiert der sogenannte Geldadel über die vermeintlich sozial Schwachen.

Pornokratie

Im 10. Jahrhundert waren diverse Päpste dem unterleiblichen Wohl so sehr zugetan, dass dabei ihre politische Integrität leckschlug. Die mehrfach geschiedene, selbsternannte Senatorin Marozia machte hier als „Pufmutter Kirchenstaat“ von sich reden, indem sie den Klerus um den Wickel fingerte.

Die Familie

Wenn sich Matriarchat und Patriarchat ganz doll liebhaben, können daraus kleine Untertanen entstehen. Die Staatsform der Familie ist geboren. In diesem Gefüge kann theoretisch jeder die Position des Tyrannen einnehmen und das Machtgefüge umkehren. Die Eltern stehen sich nicht selten wie Oppositionelle gegenüber und die Kinder entwickeln nur all zu häufig präsidiale Allüren. Wenn Besserwisserei und Größenwahn um die Oberhand streiten, wird es hässlich für alle beteiligten.

Der Fachismus – Regierungsform mit Tradition

Regierungsform Oberlicht
Solange der Mensch noch jung und abhängig ist kommt er zur Gleichschaltung in die Schule. Dort kommt er mehr oder weniger verbogen wieder heraus und ist nun den Rest seines Erwachsenenlebens damit beschäftigt, die ursprüngliche Form wieder anzunehmen.

Es gibt Menschen, die noch bis weit nach Schulschluss alles brav auswendig nachbeten und stets nur unterrichtsrelevante fragen stellen. Das sind diejenigen, aus denen später etwas wird, und zwar meistens sogenannte Fachidioten. Diese besondere Clicque von geistigen Mitessern ist in den Bereichen Bildung, Politik, Wirtschaft und exekutive Verwaltung so unglaublich dominant vertreten, dass hier schon von einem Masseträgheitsdiktat gesprochen werden kann. Korrekt beim Namen genannt handelt es sich bei dieser Regierungsform um den Fachismus. Schauen wir uns seine verschiedenen Ausprägungen einmal genauer an.

Pedantes Inferno

Zugegeben, der Fachist heißt so, weil er immerhin vom Fach ist. Dort ist er zuhause und fügt seinem Umfeld meist keinen erheblichen Schaden zu, es sei denn er bekleidet eine leitende Funktion oder ist anderweitig weisungsbefugt. Sobald es allerdings zur Interaktion mit dem „Außerfachlichen“, also der sozialen Umwelt kommt, beginnen die Probleme. Zum Beispiel achten Fachisten penibel auf die Verkehrsregeln, nicht aber auf den realen Verkehr selbst. Sie werden sehenden Auges einen schweren Unfall provozieren, bloß um nachher sagen zu können „wer auffährt, hat Schuld!“. Dabei müssten Fachisten in ihrer blinden Statistikhörigkeit den heimischen Keller eigentlich überhaupt nicht verlassen, um sich über das Leben der Anderen zu informieren.

Gewinnbringend Investiertes Unvermögen

Überhaupt verstehen Fachisten rein gar nichts von (moralischer) Abstraktion, erklären aber gerne soziale Zusammenhänge mit Metaphern aus der Marktwirtschaft. Sie versuchen, Studenten, die von Bildungskredit und Wohngeld leben, zum Abschluss einer privaten Altersvorsorge zu überreden. Fachisten verfügen nur über ein binäres Wertesystem, bestehend aus „ja“ und „nein“, was sie hervorragend dafür qualifiziert, an den Ort ihrer autistischen Erziehung zurückzukehren. Diesmal auf der anderen Seite des Schreibtisches.

Der Fachist als Lehrkörper

Durch sein stetiges Wirken an Bildungseinrichtungen ist dort das Minimal-Maximal-Prinzip Wirklichkeit geworden: Bei einem absoluten Minimum an Verstehen ein Maximum an Ballastwissen anzuhäufen. Der Fachist hat bereits alles schon erklärt und wird es nicht noch einmal tun. Als Spätfolge seiner eigenen mentalen Autopsie mit einem begrenzten Set Universalfloskeln ausgestettet, wie etwa „das kann ich ja wohl voraussetzen“ oder „ist doch vollkommen logisch“, gibt es in seinen Augen kein falsches Verstehen, sondern nur zu kompliziertes Denken. Dies gilt vor allem bei Leibesübungen.

Regierungsform Fachismus
Am Sportunterricht eines Fachisten nehmen immer nur gefrühstückte und aufgewärmte Kinder teil, besonders an einem verschneiten Montag um 8 Uhr in der Früh. In dieser Regierungsform ist körperliche Dehnung unendlich weiterführbar. Hier lernen schmächtige Handballanfänger, indem sie gegen Fortgeschrittene ins Tor gestellt werden, wie lange es durchschnittlich dauert, sich sämtliche Finger zu brechen.

Das häufigste Missverständnis zwischen einem fachistischen Lehrkörper und einem Schulkind, dessen Hirn noch beidseitig durchblutet wird, besteht in der Aufforderung „gib mit eigenen Worten wieder“. Nur ein Kind mit bereits angelegten fachistoiden Denkmustern versteht dies korrekt als: „Sprich mir nach, mit leichten Abweichungen im Notenspektrum von 1 dur bis 6 moll!“.

Altersstarrsinn – Das muss eine Demografie aushalten!

„Das war immer schon so“ lautet die Urfloskel des Opportunismus und heißt im Prinzip, dass man an den bestehenden Verhältnissen eben nichts ändern kann – und das auch nur alle vier Jahre. Am 24. September 2017 ist es wieder einmal soweit und der Wahlkampf hat hier und da schon die ersten Zylinderköpfe rauchen lassen. Der Anarcho-Pragmatiker sieht die Dinge indes gelassen, denn bei den Wahlen werden vermutlich wieder genau diejenigen zuhause bleiben, die sich hernach in der Unabänderlichkeit der Dinge bestätigt sehen.

Parallelgesellschaften: Politik und Bevölkerung

Demokratie funktionert besonders gut, wenn man der Mehrheit angehört. Solange die Politik vorrangig die Interessen einer begüterten Gesellschaft vertritt, welcher die Mehrheit der Bevölkerung nicht angehört, macht die Demokratie in der bestehenden Form keinen Sinn. Dabei ist der Wählerauftrag eigentlich ganz simpel: Wer ein öffentliches Amt bekleidet, muss dieses auch im Interesse der Öffentlichkeit ausüben. Solange aber Parteiinteressen über dem öffentlichen Interesse stehen, macht die Demokratie in der bestehenden Form keinen Sinn. Und solange sich daran nichts ändert, wird es auch keine Alternativen geben.
Regierungsform Diktatur

Bildquellen
Titelbild: Kreuzwortkolumne auf wort-suchen.de, Bildrechte bei der webgilde GbmH.
Bild 1,2,3,4: via getstencil, Bildrechte bei der webgilde GmbH.

Dominik Wachsmann

Der Autor ist tot...und ich bin der lebende Beweis dafür. 1986 wurde bei mir Dialektlosigkeit festgestellt. Danach Einschulung bis 2006. Seit 2013 Kreuzwort-Doktor mit Schwerpunkt Keyword-Orthopädie bei wort-suchen.de. Mein Motto: "Der Dativ ist des Objektes Stativ."

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