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bedrohte, schöne Wörter

Bedrohte, schöne Wörter – aus dem Reden gerissen

erstellt am von  in Wortkolumne

Aktuell stehen schon über 600 Wörter auf der Roten Liste. Bedrohte Tierarten wachsen – der Evolution sei Dank – immer wieder nach, aber Wörter sind manchmal alles, was uns vor der Barbarei bewahrt! Wir bei wort-suchen.de sehen daher nicht tatenlos zu, wie bedrohte, schöne Wörter meuchlings unserer Sprache entrissen werden, nur weil sie veraltet sind oder der bezeichnete Gegenstand aus der Mode gekommen ist. Dieses Traktat ist unser Schärflein zur Sprachbewahrung.

Bedrohte, schöne Wörter, an denen Arbeitsplätze hängen!

Den Wenigsten ist bewusst, dass an Wörtern oft ganze Existenzen hängen. Manche haben sogar Familie. Viele sind Ladenhüter in dritter Generation und müssen zusehen, wie sie von der Moderne überrollt werden und auf der sprichwörtlichen Strecke bleiben. Nach dem wirtschaftlichen Abstieg bleibt vielen Wörtern oft nur der Mundraub.

Trümmerfrau

Sie bestand einst aus stolzer Betonfrisur, wachsamem Holzauge und ausladendem Atombusen. Doch unter dem Adenauerhut begann ihr der Kopfputz zu bröckeln. Nun ist sie ein erschütterndes Beispiel für den sprachlichen Verfall.

Wundarzt

Man stelle sich einmal vor, es gäbe keine auf Läsionen spezialisierten Koryphäen mehr! Das Abkratzen würde wohl nur so um sich greifen.

Barbier

Ebenfalls eine Art Wundarzt, wenn auch aus völlig anderen Gründen. Unfassbar eigentlich, dass der Barbier ausgerechnet in Zeiten der Vollbartschäftigung nicht mehr en vogue sein soll.

Afterarzt (Kurpfuscher)

Bedrohte schoene Woerter Afterazt
Die Alternativmedizin-Debatte fordert erste Opfer. Doch wer steht uns künftig mit Rat und Tat zur Seite bei ungebetenen Aftermietern? Der Urinprophet hat uns stehts die besten Quacksalben angerührt. Undank ist und bleibt der Welten Lohn.

Amtsschimmel

Der Wallach unter den Bürokratie-Metaphern hatte ursprünglich so rein gar nichts mit Spor(en) zu tun. Retten wir ihn gemeinsam vor der Leimfabrik!

Beutelschneider

Wer sich dieser Tage noch ehrlich als Strauch- und Taschendieb verdingen will, hat es eh schon schwer genug bei all der Bargeldlosigkeit. Soll man nun als anständiger Wucherer im Alter Tüten kleben müssen?

Salbader

Wer hat uns immer gratis mit halbwissenem Geschwurbel und bigotter Frömmelei versorgt, bevor es die sozialen Medien gab? Der Salbader ist ein Wegbereiter der Fake-News und in seiner Eigenschaft als Schwadroneur und Faselhans ein echter Bockmist-Pionier. Vivat Waschweib!

Bedrohte, schöne Wörter mit Persönlichkeit

Karteileiche

Der analoge Vorläufer des Myspace-Profils bezeichnet ein zwar noch registriertes, aufgrund von Inaktivität jedoch zur Löschung vorgesehenes Individuum. Im Prinzip eine Unperson mit Telefonbucheintrag.

Suppenkaspar (bekannter Hungerkünstler †)

Suppenkaspar bedrohte, schoene Woerter
Bedrohte, schöne Wörter können an Vernachlässigung dahinvegetieren. Dieser Bub ist ohnehin schon im Hungerdauerstreik! Um ihm die Magensonde zu ersparen, wurde das SK-Hauser ins Leben gerufen.

Etepetete

Persönchen mit Hang zur Prüderie, tantiges Prinzesschen, affiger Geck. Auch jemand, der sich extrem ziert. Wohl nicht so ganz unschuldig an seiner Gefährdung, dieses Wörtchen.

Hagestolz

Protosingle mit Junggesellenprüfung und Silberrrücken. Der Hagestolz ist eine männliche alte Jungfer und komplett mit sich darüber im Reinen. (Mit wem auch sonst?)

Brimborium

Gibt es, bittesehr, ein schöneres Wort für unverhältnismäßig überzogenes Geschiss? Vielleicht gerade noch Buhei oder Bahöl.

Wendehals

Vogel des Jahres 1988. Außerdem bezeichnend für besonders opportunistische Genossinnenundgenossen um die Zeit der Wiedervereinigung herum, die, wenn die Masse skandierte „wir sind das Volk“, sogleich mit „nagut, wir auch!“ einstimmten.

Blumenkind

In seinen wilden Jahren, vor dem Eintritt in die Hippiekultur, lief das Blumenkind vor dem Brautpaar zum Altar und streute einen Blütenpfad, damit die frisch Vermählten hernach auch den Weg zurück nach Hause fänden. Wieviel Blumenkind wohl im heutigen Hipster-Veganismus steckt?

Fisimatenten (auch Fiesematenten)

Klingt nach ungebührlichem Betragen? Meint es auch! Angeblich zurückgehend auf die nett gemeinte Aufforderung an preußische Fräuleins, die Zelte französischer Soldaten zu frequentieren. Daher auch der Begriff „zelten dämlich“.

Fort, Bewegungsmittel!

Wörter sind wie der öffentliche Personennahverkehr. Man nimmt sie für selbstverständlich hin und merkt erst, was man an ihnen hatte, wenn eines Morgens die Haltestelle vor der Haustür weg ist.

Paternoster

Von Gebetsmühlen betriebener Personenaufzug mit super Einstiegsgehalt, brachte die Menschen sowohl nach oben, als auch nach unten, und das absolut unabhängig von Konfession und Lebensführung.

Drahtesel

Drahtesel bedrohte, schoene Woerter
Der Drahtesel ist vom Aussterben bedroht, denn er ist wie sein Namenspatron, das Maultier, nicht Fortpflanzungsfähig. Züchter nennen ihn daher auch den „Panda“ unter den Gefährten.

Laufpass

Der Laufpass sicherte einst dem entlassenen Soldaten und/oder Kriegsgefangenen den unbehelligten Weg in die Heimat, auch und gerade dann, wenn diese nicht mehr ganz die alte war. Verbrannte Erde gibt es manchmal auch im Zwischenmenschlichen oder im Berufsleben. Der Laufpass ist daher oft das einzige, was man nach einer Trennung oder Kündigung zurückbehält.

Ferkeltaxi

Diese wunderschöne Baureihe von Nebenbahntriebwagen der guten alten Reichsbahn hat sich trotz ihres Spitznamens nicht an irgendwelchen Tiertransporten schuldig gemacht. Weiter so!

Benzinkutsche

Auch das stärkste Pferd kam bei der PS-Leistung neuerer Kraftfahrzeuge, auch Automobile genannt, einfach nicht mehr hinterher.

Fersengeld

Rucke-di und Rucke-gu, blutgefüllter Milchglasschuh! Sind die Schuh auch noch so klein, alle woll’n Prinzessin sein!

fürbass

Ein wunderbar progressives Adverb mit der sinngemäßen Bedeutung: „gen Isengard, fallera!!“

Bedrohte, schöne Wörter für die Sinne

Sendeschluss

Der Fernseher bleibt an, auch wenn der Ansehende fernbleibt.

Labsal

Das viertschönste bedrohte Wort 2007 bezeichnet einmal die körperliche Erquickung, aber auch einen Beschichtungswerkstoff im Schiffsbau, bestehend aus Holzteer, Teerfirnis und Terpentinspiritus. Daher gilt: Labsal für Kinder unzugänglich aufbewahren!

Ohrenschmaus

Kaum zu fassen, da haben wir Leichen-, Gaumen- und Augenschmaus zur Auswahl und ausgerechnet dem auditiven Pläsir wollen wir ein Abschiedsessen kredenzen? Da können wir uns ja gleich die Quasselstrippe nehmen!

Rauschgift

Sammelbegriff, der alle Hart-, Weich-, Einstiegs- und Übergangsdrogen in den selben Topf warf, gut umrührte, einen großen Schluck davon nahm und sich hernach wunderte, woher zum Geier all die Fledermäuse kamen.

Wörter, ohne die wir als Menschheit nicht überleben werden

Wenn der Zombie-Meteorit einschlägt und die Klimaanlage im ICE überfriert, der Benzinpreis unter dem von Wasser liegt und es sich geschmacklich eh nichts mehr nimmt, dann helfen kein Fluchen und kein Indignieren sondern nur Anstand, Würde und Gelassenheit.

Contenance – Serenity NOW!

Contenance bedrohte Woerter
Wenn bedrohte, schöne Wörter einfach totgeschwiegen werden, macht uns das zu Recht fassungslos. Wer die Contenance jemals privat verloren hat weiß, warum wir sie gesamtgesellschaftlich unbedingt wahren müssen.

wohlfeil

Der leibhaftige Pappenstiel unter den Adjektiven bezeichnet jene Dinge, die einem quasi hinterhergeschmissen werden oder sich bereits wölben vor lauter Plattheit. Und diesen großartigen Tinnef wollen wir für einen Appel und ein Ei aufgeben?

Firlefanz

Kann es zuviele Wörter für überflüssigen Tand geben? Die Antwort lautet klar und einvernehmlich: nein, nein und nochmals nein! Und worauf, bitteschön, soll der Zampano künftig seinen Veitstanz aufführen, wenn wir ihm Humbug, Schabernack, Bambule, Kokolores, Mummenschanz, Brimborium, Mumpitz, und das Tohuwabohu unter den Füßen wegreißen? Ohne den Zinnober ist jedenfalls bald alles Larifari.

hanebüchen

Wäre es nicht skandalös, wenn dieses formidable Adjektiv zur graduellen Kennzeichnung von Nonsens aus unserem Wortschatz verschwünde?

Völlig zu Recht bedrohte, weil unschöne Wörter

Hitparade – bitte nicht wiederwählen!

Wer jemals während eines dreimonatigen Praktikums an jedem Tag die gleiche, sich stündlich wiederholende Top 10 im Radio hören musste, wird diesem Wort nicht eine Träne nachweinen.

schurigeln

Die Vergraulungsmaßnahme, nach wie vor unter anderem Namen an der rauhen Tagesordnung in der Schule, bei Arbeit Sport und Spiel, sowie @HomeSweetHome: das gute alte Mobbing!

kujonieren

Bezeichnet ebenfalls die böswillige Schikanerie, insbesondere das Piesacken durch den Vorgesetzten.

Yuppie

„I simply am not there“ (dt.: ich bin dann mal weg!) sagte schon American Psycho und Archehipster Patrick Bateman. Der Young Urban Professional hatte seine Blütezeit zwischen den 70er und 90er Jahren und wird vermutlich dieser Tage durch etwas viel, viel egozentrischeres ersetzt.

Kündigungsschutz

Pfui-bah, böser Kündigungsschutz! Wappentier des undankbaren, arbeitenden und mietezahlenden Pöbels! Was haben wir nicht alles auffahren müssen, um dir beizukommen? Wir Männer der Wirtschaft mussten teilweise halbjährlich die Verträge mit dem Gesinde neu aufsetzen, das nun auch noch qualifikationsgerecht beschäftigt werden will! Es wird Zeit, dass dieses umsatzfeindliche Unwort endlich verschwindet.

Wampe

Was nützt einem der beste Sixpack, wenn er unter Schweinebauch begraben liegt? Also, reden wir nicht mehr davon!

Bedrohte, schöne Wörter…

…vom Geize gefressen

Wohltätigkeit adieu! Die Pfennigfuchser haben den Mammon in ein frühes Groschengrab gebracht. Und auch um die Sozialhilfe hüllt sich der löchrige Mantel des Schweigens. Bei der Knappheit an Penunzen beißt auch Riester bald ins sauer verdiente Gras.

…wer’s Brauch

Aussteuer

Ausgerechnet angesichts der Öffnung der wilden Ehe für Alle soll die Mitgift gefährdet sein? Das heißt, es gibt irgendwann keine weiße Bettwäsche mehr von den lieben Schwiegereltern geschenkt? Worauf sollen wir denn künftig beim Schlafen unsere Hände verschränken?

Begrüßungsgeld

Begruessungsgeld ist ein bedrohtes Wort
Bedrohte, schöne Wörter kosten normalerweise nur ein Lächeln, doch das Begrüßungsgeld belief sich bis 1989 auf stolze 2 Milliarden DM!

Persilschein

Amtlich beglaubigte Weiße Weste, auch erhältlich im 10 kg Super-Sparpack. Reicht für bis zu 24 Vorladungen.

…Kling-Klang, ohne Dich

Lautmalereien und andere phonetische Fresken, ohne die wir bald ganz schön stumm da stehen:

  • Wimmerholz (aus ihm werden Trauerweiden geschnitzt)
  • tirilieren (das war’s, Lerche!)
  • frohlocken
  • Quietschpappe
  • Schnickschnack
  • Sapperlot
  • pardauz
  • Characho
  • Remmidemmi
  • Muckefuck
  • Brummi
  • Klimbim (Urmutter des Palim-Palim)
  • Papperlapapp

…Man kann ja nix mehr essen!

Altbacken schmeckt besser als aufbacken und nichts zieht so gut wie Hechtsuppe! Und mit dem Gabelfrühstück ist es auch bald Pustekuchen. Folgende bedrohte kulinarische Wörter sind demnächst gegessen, wenn wir nicht kraftvoll zubeißen:

Bandsalat

Bleistift rein und gut! Wer sich noch an den Geschmack von Mischkassetten erinnert, kennt auch den schaurig-schönen klang eines sich im Recorder verhedderennwdndemn Tonbandes.

Eiertanz

Noch nie war es so einfach, Imponderabilien (besonders empfindliche Befindlichkeiten) zu tangieren und Jemandem auf die Füße zu treten. Der Eiertanz bewahrt seit jeher den zaudernden Diskutanten vor dem Schritt ins Fettnäpfchen. Solange wir in Ermangelung aufrichtiger Freundlichkeit auf politische Korrektheit angewiesen sind, brauchen wir den Eiertanz mehr denn je!

Bedrohte Tierwortarten

Lasst dem Hennenabtaster seine Broiler! Das Schweinesystem braucht die Übelkrähe wie der Mauerspecht den Karnickelpass! Keine Kanzelschwalbe macht auch genau so einen Sommer! Und wie sollen wir je erfahren, was dabei rauskommt wenn man eine Asphaltantilope mit einer Gummikuh kreuzt?

Bedrohte Schmähwörter, um die es doch wirklich schade wäre.

Für Luschen und Weichflöten

Turnbeutelvergesser

Trantüte

Schmock

Kaput(t)nik

Für schnieke Schönlinge und halbstarke Wichtigtuer

Laffe

Popper

Pomadenhengst

Piefke

Nabob (mit reichlich Zaster)

Luftikus

Für ungehobelte Klötze

Rüpel

Flegel

Schlingel oder Schlawak

Schlitzohr

Für die unholde Maid

Xanthippe

Wuchtbrumme

Zimtzicke

Tusnelda

Für Zuchthauskandidaten

Schubiack

Rosstäuscher

Rabauke

Hundsfott

Halunke

Ganove

Haderlump

Schuft

Nichts mehr zum Anziehen!

Da haben die Schürzenjäger ganze Arbeit geleistet. Okay, angesichts unsicherer klimatischer Verhältnisse wundert es wenig, dass zum Beispiel die Übergangsjacke aus den Kleiderschränken verschwindet. Apropos Tatort Garderobe…

Schimanskijacke

Ebenfalls von Muff und Fracksausen betroffen sind Pantoffelheld, Stiefelknecht, Nietenhose, Leibchen, Kummerbund, Rollschuh, Schmidtmütze Schlüpfer und Pelerine. Seitdem Aufständische auch keinen Zylinder mehr tragen, geht uns überdies die Angströhre flöten, und mit ihr der Chapeau claque.

Das Oberstübchen – Zwangsräumung verhindern!

Da schaut der Hausierer bald in die Röhre! Erst wird uns der Gesichtserker mitsamt Nasenfahrrad aus dem Gesicht geschnitten, dann pfänden sie uns Quetschkommode, Lotterbett, Kandelaber, Chaiselongue, die Jaffamöbel, den Polylux UND den Jubelperser weg! Dabei hat der das Zimmer überhaupt erst gemütlich gemacht…

Bedrohte, Schöne Wörter – Bei uns gibt es sie noch!

Sämtliche in diesem Artikel verwendeten und vom Verschwinden bedrohten Wörter stehen auf der Roten Liste. Und auch bei wort-suchen.de haben sie nun ein Zuhause gefunden, und zwar in unserer Kreuzworträtsel-Hilfe! Doch das ist nicht genug! Helft mit, indem Ihr beim Schwofen immer mal ein schönes, altes Wort aus dem Kerbholz schnitzt. So könnt Ihr urst den Bildungsbürger raushängen lassen.

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