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Familienregeln beim Scrabble

erstellt am von  in Wortkolumne
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Nach einer wahren Begebenheit

Welche Auswirkungen Familienregeln haben können, lernte ich bei einer Partie Scrabble mit einer alten Freundin. Es ging ganz gesittet los. Ich legte ein Wort, sie ein Wort, ich ein Wort, Melborp … Meine Freundin hatte ein Wort namens Melborp gelegt.

 

„Melborp“ – sieht irgendwie komisch aus

 

„Was ist das denn?“ fragte ich.
„Na, Problem!“ sagte sie.
Sie hatte es rückwärts geschrieben. Ich wartete darauf, dass sie zugab, ihr sei nichts Besseres eingefallen. Fehlanzeige.
„Seit wann schreibt man die Wörter beim Scrabble rückwärts?“ fragte ich.
„Schon immer“ meinte sie und fragte mich, wie ich das denn bisher gemacht habe. Man könne doch gar nicht so viel anlegen, wenn man die Wörter nur in eine Richtung schreibt.
„Genau das ist doch das Knifflige an dem Spiel!“ entgegnete ich und wollte wissen, ob sie auch vorhabe, diagonal zu legen. Hatte sie nicht. Na, welch Glück!

Eindeutig eine Familienregel

Mir war sofort klar, dass meine Freundin nach Familienregeln spielte. Jede Familie hat sie. In meiner gibt es eine spezielle Monopoly-Regel. Wer direkt auf LOS zieht, bekommt 8000 statt 4000 Mark. Ich rechne fest mit dieser Einnahmequelle und spiele demnach sehr verschwenderisch. Es war ein böses Erwachen, als mir Freunde während eines Spiels erzählten, dass ich nur 4000 Mark bekomme. Ich hatte Monopoly so oft nach dieser Familienregel gespielt, dass ich total von ihr überzeugt war. Vergeblich suchte ich die Spielanleitung nach ihr ab. Ich wollte meine Freunde von der Regel überzeugen, versagte kläglich und musste einknicken.
Meine Scrabble-Partnerin war weniger einsichtig und beharrte darauf, dass ihre Regel mitnichten eine Familienregel sei. Die Spielanleitung war nicht aufzufinden und wir spielten weiter. Sie legte falschrumme Wörter, ich richtigrumme. Es könnten ja kleine Kinder in der Nähe sein, dachte ich, da muss wenigstens eine ein gutes Vorbild abgeben und sich an die Regeln halten. Außerdem las ich mit Missgunst in der Stimme jedes umgedrehte Wort von vorn nach hinten durch: Retsum. Nefual. Thciseg.

„Kannst du nicht einfach Palindrome legen? Das ist für uns beide einfacher.“
„Palin-Was?“
„Palindrome sind Wörter die auch rückwärts gelesen einen Sinn ergeben. Zum Beispiel Maoam.“
„Das geht nicht,“ rief sie, „das ist ein Eigennamen und Eigennamen sind verboten!“
„Ach, die sind also verboten! Aber rückwärts geht, ja?“

Meine Geduld war noch nicht am Ende, dafür waren endlich die Buchstaben im Säckchen alle. Ein Glück. Ich hatte die ganze Zeit dieses V und das Ö am Hacken, die konnte ich endlich los werden. Ich legte ÖPNV.
Meine Freundin sah mich entsetzt an. „Was soll das denn?“
„Öffentlicher Personennahverkehr!“ sagte ich.
Abkürzungen sind verboten!“
„Aber wenn die Buchstaben alle sind, dann gehen auch Abkürzungen!“ sagte ich. Meine Freundin warf mir vor, ich hätte mir diese Regel nur ausgedacht. Ich traute mich nicht, es zuzugeben, aber sehr wahrscheinlich war auch das eine Familienregel.

Wie man Scrabble spielt – ohne Familienregeln

Zu Hause habe ich die Spielregeln noch einmal nachgelesen. Dort steht es schwarz auf weiß: Ein Wort muss entweder von links nach rechts oder von oben nach unten zu lesen sein. Das sollte ich meiner Freundin demnächst mal unter die Nase reiben. Doch auch ich kriege hier mein Fett weg. Meine Familienregel mit den Abkürzungen ist tatsächlich verboten. Genauso wie Eigennamen oder allein stehende Vor- oder Nachsilben.
Um herauszufinden, was man legen darf, nehme man sich ein aktuelles Wörterbuch und lege nur darin enthaltene Wörter in deren Beugungs- oder Pluralformen.
Amüsant finde ich den Regelabschnitt „Wörter anfechten“. Das ist nämlich ausdrücklich gewollt. Damit ist Scrabble nicht nur ein Spiel, das den persönlichen Wortschatz trainiert, es stärkt auch die Debattierkultur. Ich plädiere deshalb an dieser Stelle für die alternative Spielgestaltung im Kreise der Familie!
Wie sieht es bei Ihnen aus? Haben Sie auch Familienregeln? Schreiben Sie uns, wie hoch Ihr Toleranzgrad bei der heimischen Partie Scrabble ist. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Bildquellen

  • Scrabblespielfeld mit dem Wort Melborp (Scrabble®): Bildrechte bei der 1337 UGC GmbH

2 Kommentare

  1. Mit meiner Schwester, die in einem anderen Land wohnt, spiele ich Scrabble übers Internet (Lexulous, eine Facebook-App), im Prinzip das selbe wie Scrabble, nur sind die Prämien etwas unterschiedlich, die Anzahl der Buchstaben ist anders, und die Prämienfelder sind anders verstreut. Familienregeln: wir erlauben englische und deutsche Wörter im selben Spiel (challenge mode, damit das System nicht entscheidet, was erlaubt ist oder nicht), und benutzen SOWPODS (oder Collins Scrabble Dictionary) und Duden. – Leider gibt es zu viele I im deutschen oder englischen Buchstabensatz, da die Verteilung mal nach der Häufigkeit der Buchstaben in einem mittleren Text vorgenommen wurde, und da kommt das I nur deshalb so oft vor, da es in vielen zweibuchstabigen Wörtern vertreten ist , z.B. englisch: I, in, if, is, it, id, bi, mi, hi, li, oi, pi, si, ti… – hilfreich beim parallelen Anlegen, aber nutzlos wenn man vier I auf dem Bänkchen hat (sechs A oder E wären mit lieber). Die Häufigkeit des Buchstaben I hat mich schon vor 48 Jahren gestört, als ich zum ersten Mal ein deutsches Scrabblespiel geschenkt bekam. – Wir erlauben auch das Benutzen von Lexika, damit wir beim Spielen was dazulernen, und nicht nur auf bestehenden Wortschatz zurückgreifen. Beim aktuellen Brettspiel haben wir auch mal erlaubt, liegende Blankosteine auszutauschen, auch mit anderen Buchstaben als den urspünglich beabsichtigten, solange es die dadurch neu entstehenden Wörter auch gibt. Alles sehr flexibel und interessant, solange man sich im Vorhinein über die Regeln verständigt. Aber (bisher) keine diagonale oder arabische Schriftrichtung. Diagonal wäre wohl kaum machbar, da müssten ja schon beim normalen Anlegen die zweibuchstabigen Diagonalwörter eine Bedeutung haben, die sich an der Kontaktstelle bilden. Parallelliegende Wörter wären da wohl fast unmöglich.

    • Zum Thema Buchstabenverteilung: wir haben neulich die Scrabble Jubiläumsausgabe, eine Wiederauflage des Spiels von 1955, gespielt. Buchstabenverteilung, Häufigkeit und Wertung scheinen damals eins zu eins aus dem Englischen übernommen worden zu sein. Dabei ist z.B. das C überdimensioniert vorhanden und ergibt wenige Punkte. Ein Grund mehr, die Wörter mit C ohne H und K zu lernen.

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