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Glücksspiel Titelbild

Kreuzwortkolumne #60 – Glücksspiel

erstellt am von  in Kreuzworträtsel-Kolumne

Egal, ob mit Würfeln, Kugeln oder Karten, auf dem Brett, im Revolver oder online gegen Boris Becker – das Glücksspiel ist seit der Antike die unterhaltsamste Methode sich vollends zu ruinieren.

Nichts geht mehr? Von wegen! In unserer Kreuzworträtsel-Hilfe gibt es die ganz große Glücksspiel-Auswahl!

Glücksspiel

Vor gut und gerne 5000 Jahren erfand der Mensch das erste Glücksspiel mit Würfeln. Kurz zuvor wurden Haus, Hof, Kinder und andere bewegliche Werte erschaffen. Bis zur Einführung der pathologischen Spielsucht war es dann bloß noch ein Katzensprung. Da Spielschulden lange Zeit nicht einklagbar waren und verzocktes Eigentum nicht zurückgefordert werden konnte (zumindest nicht legal oder ohne die Axt zu bemühen), war es bestimmten Gesellschaftsschichten oft verboten diesem besonderen Laster zu fröhnen. Klerus, Politik und Adel versuchten immer wieder, den niederen Pöbel daran zu hindern, sich in die Karten sehen zu lassen. Spätestens im 18. Jahrhundert wurde das Hasardspiel (französisch: hasard = Zufall) in seinen hunderten von Ausprägungen salonfähig. Es trotzte Ächtungen und Verboten und ist bis heute ein integrativer Bestandteil menschlicher Kultur, von Las Vegas in Nevada bis Bad Ems in Rheinland-Pfalz, wo seit 1720 Deutschlands älteste Spielbank steht.

Gewinnspiel? Wette? Lotterie?

Bei den meisten Gewinnspielen, wie zum Beispiel dem Preisausschreiben einer Illustrierten oder dem Rätsel der Woche, bedarf es im Unterschied zum Glücksspiel keines Geld- oder Sachwerteinsatzes seitens des Spielenden.

Eine Wette wird dann zum Glücksspiel, wenn ihr Gegenstand vom Zufall abhängig ist und für die Teilnahme eine Gebühr anfällt. Die Höhe der Gebühr richtet sich unter anderem danach, wie „zufällig“ es tatsächlich vonstatten gehen soll. Zum vergleich: 2005 kostete beispielsweise die Zufallsangleichung durch einen Fußballschiedsrichter knapp 30.000 Euro (umgerechnet etwa 60.000 Marks). 2009 lag der Tarif mit bis zu 200.000 Euro schon ein wenig höher, da man nun lieber direkt die Spieler einkaufte – schließlich sollte man bei solchen Dingen nichts dem Zufall überlassen.

Lotterien bedürfen, wie auch die meisten öffentlichen Tombolas, einer staatlichen Genehmigung. Zu ihnen gehört das Kuhfladen-Bingo, das Rubbellos und die Aktion Mensch. In Wien gab es Anfang des 20. Jahrhunderts sogenannte Planetenverkäufer, die auf der Straße Glücksbriefchen verkauften, kleine Brieflose, die von einem Papageien oder einer Maus gezogen wurden. Aus dieser Tradition ist dann später der Beruf der Lottofee entstanden.

Arbeitslostrommel

Zwischen 1872 und 1933 gab es im Deutschen Reich und in der Weimarer Republik keinerlei Spielbanken. Unter den Nazis gab es dann die Reichslotterie für Nationale Arbeit, aus deren Erlösen vorgeblich die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung unterhalten wurden. In Wirklichkeit handelte es sich natürlich um propagandistischen Solidarbetrug. Dieses Modell wurde später in weiten Teilen übernommen und trägt heute den Namen Riesterrente.

Alea Iacta Est – Esst mehr Würfel!

Anfang des 19. Jahrhunderts war das Würfelspielen in England verboten. Verübte die Polizei in den Spielhöllen eine Razzia, gab es in Ermangelung von Wasserklosetts extra abgestellte Würfelschlucker, die schnell sämtliche Würfel verschlingen mussten. Das war einerseits gesundheitlich sehr brisant, weil man es mit dem Händewaschen noch nicht allzu genau nahm, andererseits wurden sogleich eifrig Wetten darauf abgeschlossen, in welcher Kombination die Würfel später wieder hinauskämen.

Glücksspiel im Casino

Mitte des 17. Jahrhundert schossen in Venedig die ersten Spielbanken aus dem Boden. Heute gibt es sie fast überall auf der Welt, wo den Menschen das Geld in der Tasche ebenso locker sitzt wie die Rosinen im Keks. In der Schweiz sind Spielcasinos erst seit dem Jahr 2000 erlaubt. Pokerturniere sowie das in der Schweiz beliebte Vater-Sohn-Apfelschießen sind außerhalb designierter Spielstätten per Gesetz verboten. Darüber hinaus gibt es noch viele andere typische Casino-Glücksspiele, zum Beispiel

Baccara / Chemin de fer

James Bonds Lieblings-Kartenspiel, nicht bloß wegen des kleinen, sexy Kartenschlittens. Ziel ist es, mit maximal drei Karten neun Punkte zu erreichen. Der Name „Baccara“ ist lautmalerisch dem Fluch nachempfunden den der Spieler ausstößt, wenn er sich verschätzt hat.

Poker

Sammelbegriff für eine Reihe von Kartenspielen, bei denen eine möglichst unbewegte Gesichtsmimik à la Steven Seagal durchaus von Vorteil ist. Zwar gilt beim Pokern das Bluffen grundsätzlich nicht als Beschiss, jedoch ist bei einem Kartenspiel, welches Begriffe wie Bauchschuss und Dead Man’s Hand in seinem Fachjargon aufweist, von der Verwendung gezinkter Karten dringend abzuraten. Einer urbanen Legende Zufolge wurde das Strip-Pokern erfunden um das Verstecken von Karten zu erschweren.

Roulette

In seinen Varianten Französisch, Amerikanisch, Boule, Sandown, Glücksrad, Multicolore und Russisch ist das Roulette wohl eines der bekanntesten und faszinierendsten Glücksspiele mit unwahrscheinlichem Suchtpotential. Besonders bei der Variante „Russisch“ ist es von vitaler Bedeutung, aufzuhören, sobald man gewonnen hat.

Glücksspiel Roulette
Bild 1: Der Roulettekessel dreht sich in die eine Richtung, die Kugel in die Andere. Irgendwann übergibt sich die Kugel in eines der Fächer am Rand. Wurde die richtige Farb- und Zahlenkombination erahnt, entspringt in der Mitte ein Fluss.

Die Gewinne eines Casinos fallen, ähnlich wie Die der meisten Kirchen, in der Regel nicht dem Fiskus anheim, da in beiden Fällen die Mitgliedsbeiträge und Geldopfer ihrer Mitglieder und Opf… äh, Besucher freiwillig und im guten Glauben geleistet werden.

Vom Glücksspiel inspiriert

Der Spieler

Film von 1948 mit Gregory Peck und Ava Gardner nach dem gleichnamigen Buch von Dostojewski.

Daniel Deronda

Roman aus dem Jahr 1876 von George Eliot.

Rain Man

In diesem Film von 1988 geht Tom Cruise mit Dustin Hoffman im Casino Kartenzählen um die Einnahmen hinterher der Church of Scientology zu vermachen.

James Bond

Er kann selbst mit Stein, Schere, Papier töten. 007 sitzt eigentlich in fast jedem Bond-Abenteuer an irgendeinem Spieltisch, hauptsächlich zu Black Jack, Poker oder dem bereits erwähnten Baccara. Überdies weist sein promiskuitives Verhalten Ähnlichkeit zum russischen Roulette auf.

Unglücksspiel – Spielsucht

„Fünfzigprozentige Gewinnchance? Wie kann ich DA verlieren?“ Das Elend begann, als der Mensch die ersten Münzen zum Werfen erfand. Allein das schöne Geräusch beim Hochschnippen, gefolgt von der enormen Spannung… Kopf oder Zahl? Zahl oder Kopf? Mist!!! Okay, nochmal. Nochmal! Alles oder Nichts. Zahl. Nein, Kopf! Ach, F!(&EN !!! Aber beim nächsten Mal… JA! Gewonnen! Gewonnen! Hahahaha!!! Was? Aufhören? Niemals, ich hab grad ne Glückssträhne… oh, aber mein Kleingeld ist alle… kannst du mir vielleicht was Pumpen? Ich zahle nächste Woche mit Zinsen zurück, versprochen. Du willst eine Sicherheit von mir? Nagut, äh… wie wäre es mit dieser Uhr hier?…
Am Ende einer solchen zwanghaften Spielerkarriere findet man sich in den meisten Fällen im Armenhaus wieder, oder, schlimmstenfalls, am Grunde eines Sees mit den Füßen im Jeton.

Knapp-daneben-Effekt

Glücksspiel Spielsucht Maria schwabe
Bild 2: Der Knapp-daneben-Effekt beschreibt die Anfälligkeit einer Person die eigenen Gewinnchancen umso höher einzuschätzen, je näher am Gewinn vorbeigeschrammt wurde. (Zeichnung: Maria Schwabe, Greifswald 2019)

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Über den Autor

Der Autor ist tot…und ich bin der lebende Beweis dafür. Mein Motto: „Der Dativ ist des Objektes Stativ.“



Bildquellen:
Titelbild: Copyright: frost || films, Photograph: Peggi Petzold, Bearbeitung: Frederik Schrader für 1337 GmbH

Bild 1: via getstencil, Bildrechte bei der 1337 UGC GmbH

Bild 2: Copyright: Maria Schwabe (Zeichnung) Idee: Maria Schwabe und Dominik Wachsmann