Die Seite für Wortspiele und Wortspielereien

Wortspielerin Margret Silvester

Wenn auf dem Scrabblebrett Geschichten entstehen – Im Gespräch mit Margret Silvester

erstellt am von  in wort-suchen unterwegs, Wortspiele

Eine Wortspielerin und Geschichtenerzählerin war Margret Silvester schon von klein auf an. Als Hamburger Mädchen spielte sie mit ihren Freunden oft „Geschichtenball“. Ein Kind begann mit „Es war einmal…“, prallte den Ball gegen eine Mauer, fing ihn wieder auf und dachte sich währenddessen eine Geschichte aus. Ließ das Kind den Ball fallen, war der nächste Spieler dran, um das Ballspiel und die Geschichte fortzusetzen. Wenn Margret den Ball fallen ließ, durfte sie trotzdem weitermachen, weil ihre Freunde die Geschichten so spannend fanden. Ihre Leidenschaft für Worte, Wortspiele, Geschichten und Gedichte war also schon früh geweckt.

Als Erwachsene arbeitete Margret Silvester erst in den verschiedensten Berufen – bis sie dann endlich mit Geschichten und Wortspielen ihr Geld verdiente. Für wort-suchen.de habe ich mich mit ihr unterhalten und muss sagen: Es ist sehr schön und inspirierend mit einer Frau zu reden, die ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf machen konnte. Margret Silvester ist unter anderem: Autorin, Wortspiel-Erfinderin und sie hilft Analphabeten, ihre Sprache zu lernen.

Von der Pharmazeutisch-technischen Assistentin zur Wortspielerin

„Ich habe immer nach Nischen in meinem Arbeitsalltag gesucht und sie auch gefunden. Langeweile wäre für mich tödlich gewesen.“ – das ist Margret Silvesters Kommentar, nachdem sie mir erzählte, welche Berufe sie in ihrem Leben schon hatte. Die 68-Jährige war Pharmazeutisch-technische Assistentin, Sozialversicherungsfachangestellte und Englisch-Korrespondentin. Im Jahr 1986 lernte sie im Hamburger Stadtteil Eppendorf jedoch jemanden kennen, der ihrem Berufsleben die entscheidende Veränderung brachte: Ein Künstler, der für einen Bildband einen Text suchte. Margret schrieb dann zum ersten Mal eine Geschichte, die auch veröffentlicht wurde: Das Kinderbuch „Sieben Tage mit Fuchs und Dachs“:

„Es wurde als Sonder-Edition veröffentlicht und als „Geheimtipp“ in der „ZEIT“ besprochen. Da es sich damals um eine limitierte Auflage handelte (1000 Exemplare) und nicht mehr neu aufgelegt wurde, ist es nur noch second hand aufzustöbern. Schade eigentlich. Aber das war wohl der Zeitpunkt, an dem ich auch begann, Gedichte zu schreiben.“

Inzwischen hat Margret weitere Kindergeschichten und Gedichte veröffentlicht (hier eine Auswahl bei Amazon). Die Liebe zu ihrer Heimatstadt Hamburg ist auch Inhalt ihrer schriftstellerischen Arbeit. Aktuell schreibt sie an einer Anthologie über den Hamburger Stadtpark. Weitere Geschichten aus ihrem Leben veröffentlicht sie im Internet, auf ihrer eigenen Homepage. Dort wurde ich auf eine weitere Facette ihres Schaffens aufmerksam: Sie schreibt, dass sie Menschen in schweren Lebenslagen betreut und Kurse für Analphabeten gibt. Ich habe sie gefragt, was ich mir darunter vorstellen kann:

„Während meiner „aktiven“ Berufsjahre war ich beratend für Menschen mit schwierigen Lebensläufen da [Anm: unter anderem Langzeit-Arbeitslose]. Mit Erfolg und ohne. Im Jahr 2005 habe ich noch ein Studium mit dem Abschluss „zertifizierte Fallmanagerin“ anhängen können. In dieser Zeit entwickelte ich – basierend auf einem Lehrgang der Pädagogin Carola Reuter-Liehr – einen eigenen Kurs zur Alphabetisierung deutschsprachiger Menschen mit Lese- und Schreibschwäche. Ich nannte ihn „Das tanzende A“ und er beinhaltet Elemente aus Spiel und Spaß an der Sprache zum einen – und an der Schriftsprache zum anderen…“

Mit spielerischen Elementen, erklärte mir Margret, können wir uns Dinge viel leichter merken. Im „Tanzenden A“ hat deshalb jeder Buchstabe eine Charaktereigenschaft bekommen. Dadurch können sich die Lernenden die Buchstaben besser merken: „Das A hat ja diese langen Beine und läuft oben spitz zu. Es sieht aus, als tanze es. Dann käme das „bauchige“ B und das „C“ hat den Beinamen Cello und macht Musik. Usw.“

Noch heute bringt Margret Menschen spielend Sprachkompetenzen näher. Seit drei Jahren arbeitet sie nun mit Kindern an einer Hamburger Grundschule. Dort hat sie die Schulbibliothek aufgebaut, betreut die kleinen Leseratten und denkt sich für sie Sprachspiele aus:

„Abgestimmt auf das Alter der Kinder kann ich Trainingseinheiten für ein besseres Gedächtnis und eine bessere Konzentration einfließen lassen. Ich habe unter anderem ein Spiel in der Bücherei installiert, bei dem die Kinder Wörter, die „durcheinander geraten“ sind, in die richtige Reihenfolge bringen können. Haben sie es geschafft, ist der Lohn, dass sie sich ein Wort ausdenken dürfen. Bei den Spielen ist eine gute Mischung aus Reimen und Bewegung wichtig. Es ist schon länger bekannt, dass „nur ruhig dasitzen“ die Konzentration eher schwächt. Das ist übrigens auch bei Erwachsenen so.“

Margrets Scrabble-Variante: Geschichten-Scrabble

Auch privat spielt Margret Silvester gern ihre selbst erdachten Wortspiele. In ihrer Familie gibt es z.B. eine ganze eigene Scrabble-Spielvariante: Auf dem Brett dürfen mit Vorliebe verrückte zusammengesetzte Wörter und sogar ausgedachte Wörter (unter denen man sich mit etwas Phantasie etwas vorstellen kann) auftauchen – denn nach dem Spiel schreiben alle zusammen aus eben diesen Wörtern eine Geschichte! Für wort-suchen.de hat sie eines ihrer schrägen Spielbretter und die dazugehörige Geschichte geschickt:

Ein Scrabble-Spiel von Margret Silvester
Ein Scrabble-Spiel von Margret Silvester

Aus den Wörtern dieses Spielbretts entstand folgende Geschichte:

„‘EMUS sind en VOGUE’, dachte die RENTENHEXE, kochte sich einen MATE-Tee in ihrem HUT, übergoss ein EI mit Sosse aus dem BRATÖLKELCH und sattelte FURI. Besser auf jeden Fall als JENE SCHAFE!

‘IZU’, sagte sie laut, als sie die TÜR zuschlug. Das Pferd schüttelte die GOLDENE MÄHNE. “NWO?” fragte es. “Na, zum DOM!” erwiderte die Hexe, “ich habe noch eine Menge YEN vom Verkauf meines letzten QUADERS.” “Wie?” fragte FURI weiter. Die Hexe versuchte, es zu erklären.

“ÄM, also, die SPIONE der RFET.” Doch das Pferd hörte ihr gar nicht richtig zu. Das alles war überhaupt nicht richtig SEINS. Es blickte zum MOND hinauf und dachte verträumt “Bin ich ein Faltol? Aber an SANKT Johanni sitze ich im SÜDSEEREISEBUS!!!“

Vielen Dank, Margret Silvester für das Interview und deine schönen Spiel-Ideen!

Bildquellen

  • Geschichten_Scrabble: Margret Silvester
  • Margret_Silvester_Header: Margret Silvester